Montag, 29. September 2008

HarmoS Abstimmung in Luzern

Ein Abstimmungs- und Wahlwochenende kann mich doch immer wieder verblüffen...
zwar sind es dieses Mal nicht die Wahlen in Österreich, Bayern oder Biel, welche mich erstaunten, sondern die Abstimmung über den Beitritt zum HarmoS-Konkordat in Luzern.
Überdeutlich wurde die Vorlage mit 41‘399 Ja- zu 65‘882 Nein-Stimmen abgelehnt. Und das nur, weil laut Demoscope 90 % der Abstimmenden gegen die Einführung des 2. Kindergartenjahres waren.

Das HarmoS-Konkordat führt aber neben der früheren Einschulung und somit 11 Jahren Schulobligatorium, welche ich in Bereichen der Integration sämtlicher Kinder mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen als enorm wichtig empfände, weitere enorm wichtige Themen wie die Blockzeiten, Tagesschulsstrukturen, Vereinheitlichen der Grundbildung, einen einheitlichen Lehrplan pro Sprachregion, Neuregelung des Sprachenunterrichts (1 Fremdsprache spätestens ab der 5., ab der 7. Klasse 2. Landessprache & Englisch), sowie das Setzen gemeinsamer Standards pro Schulstufe wären in der Vorlage zum Beitritt in das HarmoS-Konkordat vorgesehen. Insbesondere das Schaffen von gemeinsamen Standards in den Stufen und die Diskussion, was ein Schüler oder eine Schülerin mindestens nach Abschluss der 9. Klasse wissen muss, wäre für die Zukunft der Bildungslandschaft Schweiz enorm wichtig. Hierüber wären dann auch Diskussionen über alle Kantone und Schulstufen möglich, was von einem Kind und einer Schule (Lehrkraft) an Wissen und Lernstoff erwartet werden kann. Das würde unserer Schule gut tun, wäre vereinbar mit den Ansprüchen der Wirtschaft und weiterführenden Schulen und aus meiner Sicht ein wirklicher Gewinn für unsere Bildungsqualität in der

Für mich ist es absolut unverständlich, dass sich der Kanton Luzern (welcher bisher bloss 63% seiner Kinder in den zweijährigen Kindergarten schickt) gegen eine Vorlage stemmt, obwohl die meisten Eltern in Kantonen, in welchen das freiwillige zweite Kindergartenjahr üblich ist, sehr gerne von dieser früheren "Einschulung" Gebrauch machen. Im Kanton Bern besuchen 84% der Kinder den zweijährigen Kindergarten. Bloss 16% machen nur 1 Kindergartenjahr und meistens sind darunter aus meiner Sicht viele, denen ein 2. Jahr sehr, sehr gut tun würde.

Wenn ich in den vergangenen 2 Monaten durch Luzern gefahren bin, so habe ich mich nur wenig geärgert über solche Plakate, da ich den Nein-Sagenden keine Chance zurechnete. Zu überzeugt war ich vom Guten in diesem Konkordat.

Nun, da ich die Bilder dieser weinenden Kinder sehe, ärgere ich mich masslos.
Donnerwetter!
Es ist doch in der Schweiz keine Pflicht und kein Zwang in die Schule zu gehen, sondern ein Recht. Bildung ist ein Kinder- und Menschenrecht!

Ich hoffe stark, dass andere Kantone dem Beispiel des Kantons Luzerns nicht folgen werden.

Kommentare:

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Wollen wir wetten, dass in den nächsten Wochen im Kanton Bern ein Komitee "Nein zu HarmoS" gebildet wird?

Luzern wird so zum nationalen HarmoS-Katalysator.

daniel.steiner.evp hat gesagt…

So ist natürlich richtig:

Luzern wird so zum nationalen ANTI-HarmoS-Katalysator.

Reto M. hat gesagt…

werter Kollege:
Was in Luzern geschah, war so ungefähr das Schlechtmöglichste, was dem Konkordat passieren kann.
Mehr interessieren würde mich deine Haltung und diejenige deiner Partei. ;-)

Da wird's die EVP wohl wieder "gruusig" spalten.

Leider

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Ich kann nur vom Grossen Rat sprechen: Dort haben alle anwesenden EVP-Grossrät/innen HarmoS zugestimmt.

Mein Lieber. Du kennst schon den Unterschied zwischen EVP und EDU? ;-))

Meine persönliche Meinung: Ich stehe mehr als 100% hinter HarmoS. Diese kantonalen Bildungssüppchen haben definitiv ausgedient.

Reto M. hat gesagt…

@ Mein lieber Kollege:

Ich kenne den Unterschied zwischen EDU und EVP, war aber über das Detailresultat aus dem Berner Grossrat - wie etwa 99% der Bevölkerung - leider nicht informiert. Ein Lapsus meinerseits, den du mir hoffentlich verzeihst.

Bleibt einzig für euch zu hoffen, dass auch die Langenthaler Wählenden den Unterschied zwischen EVP und EDU kennen werden. ;-)
Sonst setzen sich die einen ins gemachte Nest des gelben Gockels.

Anonym hat gesagt…

bei dem Luzerne ergebnis habe ich wieder mal eine ganz andere Meinung, ich denke es war die Angst die die Leute zum Nein trieb, die Angst davor dass die Leute mit Kindern dann ganz einfach die dörfer in Luzern verlassen könnten und nach Zürich oder Luzern umziehen könnten. gerade die Menschen in den kleinen Dörfern abseits der Verkehrswege spüren doch die Zukunftslosigkeit ihre Gemeinden, aber das was man spürt auch zu akzeptieren ist manchmal sehr schwer. Wenn nun so eine Gemeinde Post, Dorflädeli und Beiz verliert ist das Schulhaus meist noch das allereinzigste was dem Dorf bleibt. Für langenthal ist Harmos sicher ein Chance, für St.Urban aber nicht unbedingt, wenn man es den grösseren Schülern erlaubt nach langenthal ins Gymer zu gehen könnte man ja auf die Idee kommen auch die Primarschüeler oder Kindergärtner nach Langenthal in die Schule zu geben wenn man es nicht mehr zustandebringt eine eigene Klasse zu füllen. wenn man das Bevölkerungswacstum von Pfaffnau anschut, -500 Personen in den letzten 15 Jahren (20%) dann ist diese Möglichkeit durchaus vorhanden. auch wenn mich d.s gleich wieder abwatscht, auch der Kanton Bern ist laut Statistik in einer ähnlichen Lage. Einige wenige Gemeinden um die Städte Bern und Biel wachsen, ein paar Gebiete behaupten sich in etwa, Thun, Burgdorf, Langenthal, der Rest errodiert zum Teil massiv.

hansruedi

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Um bei deinem ach so schönen Bild zu bleiben:
Das Nest des gelben Gockels wird von einem ziemlich hackfreudigen Hahn verteidigt...
Jeder fremde Eindringling wird dies zu spüren bekommen.

Schluss mit diesen pseudo-prosaischen Ergüssen!

Reto M. hat gesagt…

@ Hansruedi:
Umso weniger begreiflich ist es, dass die kleinen Gemeinden Harmos ablehnten, da sich mit 2 Jahrgängen 1 Kindergarten viel besser füllen liesse.
HarmoS hat nichts mit Schulzusammenführungen zu tun. In der Umgebung Langenthal bestreitet zum Beispiel Melchnau den umgekehrten Weg. Da nun eine integrative Schulung gemäss Modell 3a zum Beispiel möglich ist, unterrichten die Melchnauer seit diesem Schuljahr sämtliche Sekschüler wieder in Melchnau. Vorher gingen sie nach Langenthal.

Eine Reform oder im Falle von HarmoS die Harmonisierung der Schulmodelle bedeutet nicht zwangsläufig eine Schwächung der Kleineren.

@ Daniel Steiner:
Wenn da die Presse mal nicht mitliest. Das gäbe eine schöne "Moment mal!" oder "Käru"-Kolumne.

rittiner gomez hat gesagt…

frust pur, aber um stimmen zu fangen ist nichts zu schade.

Anonym hat gesagt…

rational ist die Ablehnung ja auch nicht erklärbar, sag mir jetzt nicht 60'000 Luzerner haben etwas gegen ein zweites Kindergartenjahr. Aber Menschn die Angst haben reagieren nicht unbedingt rational. Und die Menschen heute sind sehr verunsichert. Wenn die Schulbehörden im Kanton Luzern gleich agieren wie die im Kanton Bern, dann ist das sogar verständlich.
Ich durfte diesen Sommer selber so ein Lehrstück erleben, Sachlich richtige und bei näherer Betrachtung die absolut vernünftigste Lösung wurde auf eine Art rübergebracht, man kann es nur noch als Desaster bezeichnen.
Die Art und weise wie man über die Zusammenarbeit von Schule und Eltern diskutiert, ist auch nicht gerade förderlich und vertrauenerweckend. Und klar hat Harmos nichts mit der Unzufriedenheit der Menschen mit der heutigen Schule zu tun, ja die Ablehnung von Harmos ist geradezu Kontaproduktiv.
aber: Man schlägt den Sack und meint den Esel.

Es geht den Leuten auch gar nicht um die Lehrkräfte, diese machen zum grossen Teil ihre Arbeit durchaus zufriedenstellend bis gut, es geht um die Entfremdung von Bevölkerung und Staat.

hansruedi

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Ich bin nach der HarmoS-Abstimmung frustriert und ernüchtert. Da pflastert die SVP die schöne Luzerner Landschaft mit Plakaten zu - und hat erst noch Erfolg dabei.

Welche Bildung will die SVP eigentlich? Zurück zur Rute und zum Pauker?

Mir graust...

Reto M. hat gesagt…

@ alle:

Ich stimme zu. Bin ebenfalls leicht frustriert - hoffe auf alle anderen Kantone (10 genügen - der Rest (inkl. Luzern) kann dann schauen, wo sie bildungsmässig bleiben) und sah Erich J. Hess' Bild in der heutigen BZ mit Ankündigung des Referendums nicht gerne...

Hoffe, dass sie (JSVP) geradeso scheitern mögen, wie sie das vermutlich beim Referendum zur Personenfreizügigkeit werden.

Teoma hat gesagt…

Für mich ist es ein Sieg für die Eltern. Erziehung ist Elternsache. Und wenn man sich ansieht, das die Einschulung in die wichtige Bindungsphase eines Kindes an die Eltern trifft, weiss ich auch, was hinter der ganzen Sache steckt. Der Staat will die Eltern entmündigen.
Jeder, der wirklich die Folgen solch einer Politik sehen will, schaue sich in Deutschland um, wo es möglich ist ein Kind bereits mit sechs Monaten in eine Krippe zugeben.
Jeder der für HarmoS ist sagt auch ja zu "deutschen" Zuständen.

Reto M. hat gesagt…

@ teoma:
So etwas Eigenartiges hab' ich noch nie gehört. Ich weiss, dass es zur Standardbegründung der HarmoS-Gegner gehört, aber:
Wegen ein paar Halbtage Kindergarten in der Woche wird doch die Erziehung der Eltern nicht entmüdigt. Wenn sich jemand echt um sein Kind kümmert, so hat man im harmonisierten 2-jährigen Kindergartends Füfi und ds Weggli. Nein, im Gegenteil wird die Erziehung weg genommen. Wir in der Schule - ich inklusive Oberstufe - sind wirklich froh, wenn man von einer Erziehung der Eltern (Vater und/oder Mutter) etwas merkt!
Das sollte sich ergänzen und war NIE als Konkurrenzmodell gedacht.

Sind somit die 83% der Kinder, welche im Kanton Bern bereits jetzt den zweijährigen Kindergarten besuchen schlechter dran??? Mitnichten. Sie sind denjenigen des Kantons Luzern um 1 Jahr voraus.

Hoffen wir, dass die Eltern wohlweislich immer wissen, was das Beste für ihr Kind ist. Dann ist der gesamten Gesellschaft gedient.

Teoma hat gesagt…

Zitat:
Sie (die Kinder des Kantons Bern *selbst dazu gesetzt*) sind denjenigen des Kantons Luzern um 1 Jahr voraus.

Zitat: Das sollte sich ergänzen und war NIE als Konkurrenzmodell gedacht.

Was denn nun? Also sind nach Ihrer Aussage die Kinder besser dran, die zwei Jahre in den Kindergarten gehen und dort bereits unter der Fuchtel des Staats erzogen werden?

Reto M. hat gesagt…

@ Teoma:
"Unter der Fuchtel des Staates erzogen werden." -

so ein Blödsinn bedarf keines Kommentars mehr. Aber ich lade Sie gerne in meine Schulstube ein, damit Sie die "Staatsfuchteln" insbesondere unsere Kindergärtnerinnen einmal persönlich kennen lernen können.

Vielleicht sind Sie dann restlos vom Bösen des Schulsystems überzeugt, da diese Lehrerinnen und Lehrer achso böse Erziehungsmonster des Staates sind.

Ihr Glaube erinnert mich an postkommunistische Regime und Methoden. Vergessen Sie das.