
Minarett auf Choufhüsidach
Verwunderung in der Bevölkerung: Auf dem Dach des Choufhüsi steht seit gestern ein Minarett. Dort installiert hat das Minarett der Künstler Gianni Motti im Rahmen der Kunsthaus-Ausstellung «Average» (beginnt am 4. September). Aktuell zur Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» will der Künstler damit die Toleranz gegenüber religiösen Insignien Andersgläubiger testen. (TG)
Was haltet ihr davon?
Langenthal ist ja bekanntlich nicht der "Minarett-freudigste"-Standort.
Da wurden Aussagen in nationalen Medien gemacht, welche äusserst fragwürdig waren. Rakete und so und nun will Herr Gianni Motti Langenthals Toleranz testen. Wie wird der Test verlaufen?
Ich habe mich gestern Morgen bereits gefragt, was der grosse Kran in der Marktgasse soll, als ich von meinem nahen Zuhause zum Schulgefährt ging. Das Langenthaler Tagblatt brachte mir heute die Auflösung in den Briefkasten... fast zu Fusse unseres neuen Minaretts.




19 Kommentare:
ziemlich provokativ, aber ich finde die idee cool. ausserdem freue ich mich immer, wenn künstlerinnen und künstler auch einmal eine politische debatte lostreten und nicht nur immer "neutral" sein wollen.
Ich finde vorallem den Ärger des Stapis etwas schräg. Wenn er schon nichts davon weiss, muss er sich intern fragen, was schief gelaufen ist, statt sich in der Zeitung aufzuregen. Zudem: wo liegt das Problem? Warum ärgert er sich so? es bleibt ja nur drei Wochen und ist "nur" ein Kunstwerk. Keine Angst, aus dem Choufhüsi wird schon keine Moschee.
Inzwischen ist schon auf 20min.ch davon zu lesen:
http://www.20min.ch/news/bern/story/11618725
respekt, eine gute aktion, so kann man sich ja schon mal visuell darauf vorbereiten.
@kathrinb:
Mir geht's in etwa gleich.
Die Berner Zeitung berichtet auch darüber:
http://www.bernerzeitung.ch/region/emmental/Minarett-auf-dem-Choufhuesi/story/25523903#kommentar
Dort gibt's auch schon einen Kommentar. Die neue Aufmachung von bernerzeitung.ch gefällt mir übrigens auch immer besser.
Ich finde es auch mutlos, wenn der Stapi sagt, dass es wieder weg muss, da der Kunstverein nicht gefragt habe, das Dach nicht vermietet sei und man die Sicherheit gewährleisten müsse...
Hätte der Kunstverein diese Kunstaktion vorher schon in die Politik getragen, wäre das ein Politikum sondergleichen geworden und kein künstlerisches Statement mehr.
@ alle:
Die Ausstellung heisst ja "Average". Durchschnitt. Dafür war die Stadt Langenthal lange bekannt. Die Durchschnittsstadt.
Gianni Motti trifft wenn's nach mir geht ins Schwarze:
Werden wir es wiederum schaffen, die Meinungen innerhalb des Spektrums "Toleranz gegenüber religiösen Insignien anderer Menschen" dem wahrscheinlichen Schweizer Durchschnitt anzupassen oder werden wir dadurch ein wenig städtischer & moderner?
Die Ausstellung wird wohl auf alle Fälle zu einer der bestbesuchtesten in Langenthal werden.
Ich bin auf alle Fälle gespannt. Auch wie es weiter geht. Und wenn jemand die Meinung des "höchsten Langenthalers" hören möchte: "Ich bin dafür, dass das Minarett 3 Wochen bleibt. Als Zeichen für unser Kunst- und Kulturverständnis."
Kunst darf und soll provozieren, aber mit Provokation wird selten Toleranz befördert. Das ganze sehe ich nur als mittelmässige PR-Aktion, künstlerisch mehr als fragwürdig und die notwendigen Verständigung zwischen den Religionen wird auch nicht geholfen. Die Befürworter des Minaretts benötigen eine solche Aktion nicht, die Gegner werden in Ihrer Meinung bestärkt und wer sich zum Thema keine oder noch keine Meinung gebildet hat, wird eher abgeschreckt.
Jetzt sollte man zeitgleich noch den Kirchturm in rot einkleiden. Zudem sollte jedesmal, wenn die Kirche ihre Glocken schwingen lässt, ein Muezzin ein Gebet vom Turm verkünden.
Damit sollte jedem deutlich werden, dass wir Türme und Laute von Türmen schon seit Jahrhunderten akzeptieren - also wieso nicht auch, wenn es um ein Minarett geht?
Wer trotzdem Mühe mit Minaretten hat, der sollte konsequenterweise a) gegen das Läuten der Glocken und b) für den Abbau der Kirchtürme einstehen...
@ Hansruedi:
Nach dem ersten Aufschrei ist es jetzt ja sehr ruhig geworden. Man beachtet es schon fast nicht mehr oder hat's vielleicht gar schon akzeptiert?
Ob das Wasser auf die Mühlen der Gegner ist? Für mich es ein Bauwerk ähnlich wie ein Kirchturm und da wir sowohl die Meinungs- wie auch die Religions- und andere freiheiten gross in unserer Verfassung schrieben, sehe ich keinen Grund dagegen zu sein.
@ Titus:
Meine Meinung fliesst schon bei der Antwort an Hansruedi ein. Wenn wir Religionsfreiheit haben, so gilt das für alle Religionen. Und nun zu einem Punkt, welche ich bei extremen Gegnern eines Minaretts und gleichzeitug Angehörigen einer Nicht-Landeskirche immer wieder kritisiere: Wenn ihr die Religionsfreiheit angreift, sägt ihr am Ast, auf welchem ihr sitzt. Wenn wir die Religionen einschränken, so gilt es sich schlussendlich auf die Landeskirchen zu beschränken. Alles andere wär Willkür. Andere Kirchen hätten dann keine Existenzberechtigung, geschweige denn die Erlaubnis selbst Kirchen zu bauen oder kirchliche Versammlungen abzuhalten.
ja, es gibt sehr sehr viele verschiedene glaubens-richtungen und einer davon ist der anti-autoritäts-glauben.
wohin nun jener führt, mit wieviel utopie und friede-freude-eierkuchen-mentalität oder gar politik dieser verbunden ist.. wir kennen es und haben es erfahren...
zum kunstwerk meine ich, "gut", dass es anregt zu denken; anstatt zu allem ja zu sagen; eine pseudo-ach-so-toleranz an den tag zu legen, welche keine grenzen kennt, bis zu jenem tag an der ihr! wiederum strenge grenzen gesetzt werden!
d.h. andere religionen sollen ihren platz unbedingt haben; hier und jetzt, doch gerne unter ihrerseits - ihnen und uns zu liebe.
@ anonym:
Es ist eine Frage der Grenzen? Wann werden persönliche, territoriale oder emotionale Grenzen überschritten.
Religion unter ihresgleichen?
Wie sehen das wohl die zum Christentum gewechselten Papua-Neugeuianer? Sind sie nun unserer gleich(er), als der Muslim, welcher mir gegenüber einen Kebapstand betreibt.
Religionen kennen keine Grenzen. Es gibt afrikanische, asiatische, amerikanische Christen, wie es auch Schweizer Muslim geben darf.
Worin ich übereinstimme ist, dass die Aktion endlich zum Denken anregt. Danke für deinen Beitrag.
@reto
es gibt im asiatischen raum eine kleine insel; auf der lange zeit friedliebende buddhisten eine 1-kind-regel betrieben, da andersrum zu wenig nahrung für alle zur verfügung stand.
es kam der tag der demokratie..
alle waren davon hell begeistert; lebten fortan mit der beschränkten geburtenzahl..
bis zu jenem tag, an dem eine gewisse ausrichtung des islams sich dort auszubreiten begann; inkl. einer "möglichst-viele-kinder" und "anhänger" gesinnung.. d.h. mehr macht also und oder aber auch weniger nahrung für alle..
auf wessen leid das ganze nun ging.. die emanzipation langfrisitg wieder zum "papi" läuft resp. zum patriarchat.. weil es keine grenzen gab..
d.h. defintif oder demnach tatsächlich; eine klare frage der grenzen.
ganz klar; religion ist nichts anderes als ein sozialer verhaltenscodex - doch nach welcher/wessen auslegung fragt sich; das wissen die politiker.
oder?
tja, es ist ruhig geworden, aber viele Leute sind leicht verärgert, das ist gefährlicher als laute Oposition. Es wird bei einer allfälligen Abstimmung ein hartes Stück Arbeit die Leute davon zu überzeugen sich mit dem Minarett abzufinden, ich hoffe dann doch das sich die "Künstler" und die Leute die diese Aktion so "cool" finden auch richtig für einen postiven ausgang des Urnengangs einsetzen.
Und sofern der Gebetsraum noch so ist wie vor drei Jahren, würde ich persönlich kein Minarett aufs Dach setzen, eher ein anderes Gebäude oder Grundstück suchen.
hansruedi
@ Anonym 1:
Aber wir leben hier doch in der Schweiz und nicht auf einer kleinen Insel irgendwo? Gut... europäisch gesehen... aber eben...
Wir haben im Mittelalter zum Glück Staat und Religion getrennt. Es gibt klare Grenzen, was der Staat definiert und welchen Wirkungskreis die Kirche heute hat. Man kann sagen, dass die Kirche nichts mehr bestimmen darf. Als Agnostiker ist es mir aber sehr wichtig und richtig, so wie wir es in unserem Bundesstaat in der Verfassung verankert haben.
Sie garantiert uns Frieden, Wohlstand und Wohlfahrt über die religiösen Grenzen hinweg.
@ Hansruedi:
Ich hoffe auch, dass wenn es dann ernst gilt, dass man sich zur Religionsfreiheit gemäss unserer Verfassung bekennt und zum übrigen. Den neuen Post, welchen ich nun schreiben werde, ist von dir inspiriert.
na dann hoffe ich auf eine gute Inspiration. baer mit der Abstimmung meinte ich nicht die der Initiative der Schweizerischen Verlierer Partei, ich meinte die Zonenänderung oder Nutzungsänderung in Langenthal. Da erwarte ich da ein Reverendum und dabei kann man dann trefflich allerlei ganz harmlose Gründe und Scheinargumente dagegen anführen.
hansruedi
lieber hansruedi
ich warte gespannt auf diese diskussion. es wird wohl sehr viele argumente für eine nicht zonenkonforme eignung geben... ich lass' mich überraschen, wer, wie, wann zu welcher gesinnung steht und was noch viel spannender ist, wer echt dazu steht.
du musst dich leider noch etwas gedulden mit dem special zu religionen in langenthal. ich will da einen ausführlicheren bericht machen und hatte heute nur kurz zeit für ein schmankerl aus den us-wahlen.
vergiss in deinem Bericht aber bitte die Pastafari nicht, ganz besonders das achte "Am liebsten wäre mir" passt doch so schön zu deinem neuen Thema. Und nein ich bin kein Pastafari, ich glaube an Gott, nicht an irgendeine seltsamme Religion.
hansruedi
Ich danke dem Künstler und Frau Fetzer. Ich kann mir wider ein paar Franken sparen. Kunst soll frei sein und ist daher auf Spenden angewiesen. Das Recht auf Dummheit hat auch jeder, nur finanziere ich das nicht (mehr).
dr aglobewohner
@ hansruedi:
die kannte ich nun wirklich nicht. fast ebenso unbekannt, wie die FSM... ;-)
@ aglobewohner:
Da Langenthal keine Agglo hat, wirst du kaum direkt das Langenthaler Kunsthaus unterstützt haben. Zudem. Wer Kunst kennt, Kunst schätzt und Kunst fördert, glaubt auch an das künstlerische Schaffen, auch wenn er 1 Aktion oder 1 Bild oder 1 Interpretation nicht versteht und nicht nachvollziehen kann. Nur weil ich 1 Bild nicht schön finde, muss ich doch nicht mit der ganzen Kunst brechen.
Zudem. Das Kunsthaus wird stark auch durch die RKK finanziert. Also von Freiheit ist da nicht viel, denn dahinter stecken die Steuerzahlenden der Region. Dieser Hinweis wird dich aber vielleicht noch stärker zur Weissglut treiben. Welches Mäzenentum unterhielt unser anonyme Schreiber denn bisher?
Bin da grad auf ein interessantes Video gestossen, siehe Link hinter meinem Namen... ;-)
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