Mittwoch, 27. August 2008

Es kommt Wählen...

Diesen Spruch ins Berndeutsche übertragen, pflegte unser ehemalige Stadtpräsident und jetziger Regierungsrat Hans-Jürg Käser jeweils in Sitzungen, an denen es heftig zur Sache ging, hervorzubringen: "Es chunt cho Wähle!"

Ob wirklich alles, was sich die Parteien im Moment leisten, darin vereinbart werden kann, ist für mich nicht erwiesen. Natürlich wird nun bei allem und jedem/r dieser Vorwurf erhoben, auch wenn er oder sie nur gegen den Wind tönt.

Die FdP Langenthal stellte ihre Visionen von Langenthal im Jahre 2020 vor und versenkte inmitten der Marktgasse als symbolisches Zentrum Langenthals (und der Schweiz) in alle grauen und normalen Pflastersteine einen weissen, marmorierten Stein.
- Schön, schön.
Die EVP Langenthal ist die erste Partei, welche ihre F12 Plakate im Dorf aushängt.
- Schön, schön.
Die SVP Langenthal hatte Kantonalpräsident Rudolf Joder zu Gast, welcher die Signalwirkung der SVP Langenthal ehrte und die Sektion als Leuchtturm der SVP Kanton Bern stigmatisierte, da sie sich klar (52:1) komplett (ohne Abtrünnige!!) zum Verbleib in der SVP Kanton Bern entschloss.
- Schön, schön.
Auch wir von der SP Langenthal besetzen unsere Themen. Unsere Wahlplakate werden dies verdeutlichen und unsere Aktionen ebenso.
- Schön, schön.

Nun kann man von diesen schönen Wahlkämpfen und schönen Aktionen halten, was man will. Was für mich aber wirklich nicht geht und ich als sehr unschön empfinde, sind unberechtigte Angriffe auf Aktivitäten der Partei, wobei man unterstellt, dass wir dies nur aus Gründen des Wahlkampfs tun würden.

Man kann "man" auch direkt benennen. EVP-Präsident Daniel Steiner meldet sich mit einem Leserbrief in der Umsonst-Zeitung "NOZ" zu Wort und unterstellt uns betreffend der von SP-Stadtrat Robert Brechbühl an der letzten Stadtratssitzung geforderten Sonderprüfung der Finanzkompetenzen bei der Euro08 Public-Viewing Arena, dass wir dies aus purem Wahlkampf tun würden.

Er schreibt unter anderem:
"Die EVP Langenthal ist nicht bereit, einen Politiker, welcher sich für einen erfolgreichen Anlass und für das Ansehen der Stadt Langenthal engagiert hat, abzuschiessen.
Die EVP glaubt, dass die SP mit diesem Schmierentheater versucht, den Stadtpräsidenten zu demontieren. Die Vermutung liegt nahe, dass die Partei von den eigenen Schwächen, ihrer richtungslosen Politik und ihrer inneren Zerrissenheit ablenken will. Die SP spielt auf den den Stadtpräsidenten und versucht, daraus Kapital für die anstehenden Gemeindewahlen zu schlagen."

Liebe EVP. Was ist das für ein Stil? Ich bin schockiert. Das hätte ich von euch nicht erwartet. Zumal ihr über eine Woche nach der Antragsstellung erst mit diesem Leserbrief reagiert. Wollte die Tagespresse einen so unfairen, unsachlichen Leserbrief etwa nicht abdrucken, so dass schlussendlich die Wochenzeitung NOZ übrig blieb? Die SVP gibt sich bezüglich des Antrags auf Sonderprüfung des GEMEINDERATSbeschlusses betreffend der Ausgabenregelung bei der Public Viewing Arena viel gelassener als ihr, obwohl sie den Stadtpräsidenten stellen.
Meine Meinung, weshalb man die Sonderprüfung machen sollte, kennt ihr. Ich habe diese hier in einem Post und auch in den Kommentaren längst veröffentlicht und verteidigt. Wenn es nichts zu verstecken gibt, so kann man die Sonderprüfung doch gelassen entgegen nehmen.

Eure Vorwürfe sind in einem demokratischen System unhaltbar! Sie haben diktatorische Allmachtszüge. Ihr stellt euch als die Guten hin und wir seien die Bösen, welche Wahlkampf machen. Dieser Leserbrief ist - ohne Übertreibung - das schmutzigste Wahlkampfmittel, das mir in den letzten 10 Jahren untergekommen ist.

Und - das bestätigen mir zahlreiche Rückmeldungen von nichtpolitischen Menschen heute - es ist ein Schuss hintenraus. So etwas Unsympathisches sei vielen noch nicht untergekommen, da werfe eine Partei einer anderen Partei vor, sie mache schmutzigen Wahlkampf und womit? Mit einem äussert schmutzigen Wahlkampfleserbrief.

Eigentlich sollte ich deshalb kein Aufhebens machen. Ich weiss das. Ich verstärke hiermit nur, was ihr angerissen habt. Aber... ich bin enttäuscht. Ihr zerstört damit euer qualifiziertes und erfolgreiches Bild, das ihr in den letzten vier Jahre aufgebaut habt.

Und wisst ihr, warum ich das hier schreibe und nicht euch direkt mitteile? Weil ihr eure Briefchen auch lieber an die Presse sendet, als an den Adressaten.

Kommentare:

Daniel Steiner hat gesagt…

In der Hitze des emotionalen Wortgefechts habe ich mich bei der Wortwahl vergriffen. Dafür entschuldige ich mich.

Inhaltlich hingegen bleibe ich bei meinen Aussagen: Im jetzigen Zeitpunkt eine Sonderprüfung zu fordern, riecht sehr streng nach Wahlkampfspielchen.

Reto M. hat gesagt…

@ Daniel Steiner

Werter Kollege. Es sei uns verziehen. Danke für die Entschuldigung.
Über meine Schulter wurde ich vorhin belehrt, ich solle nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern besser reagieren...

Ich hoffe, dass wir in Langenthal einen offenen, wahren, direkten und sauberen Wahlkampf führen werden und bin zuversichtlich, dass weder du, noch ich nochmals solche Worte ergreifen müssen.

In diesem Sinne wünsche ich uns und unseren Parteien viel Erfolg. Es chunt scho guet.