Freitag, 22. August 2008

Bloggendes Schein und Sein eines Politikers

Gestern kam ich gar nicht zum Bloggen. Das war auch gut so. "A blogging day off" kann reflektiv und auch sonst sehr gut sein. Unter anderem ging's gestern bei mir auch um bloggendes Schein und Sein und scheinbar hat Urs nun ähnliche Erfahrungen eingeholt, indem er gestern kommentierte:
"Sorry, sorry Kathrin, ... und nocheinmal ein ganz, ganz grosses "exgüssi" , tja, ... das hat mir nun mindestens ein Dutzend Stimmen gekostet .-)."
Worauf ich meine Blogging-Politics-Thoughts wie folgt beschreiben möchte.

"Bloggen ist für Politikerinnen und Politiker ein zweischneidiges Schwert. Ob man hier Wählende gewinnt oder doch nicht eher verliert, dessen bin ich mir überhaupt nicht sicher. Wollen die Wählenden überhaupt so "in touch" gehen mit den Gedanken eines politischen Menschen? Ist das alles nicht doch zu nahbar und manchmal zu privat? Werden die Politikerinnen und Politiker dadurch und mit den Fehlbarkeiten, die sich im Blog offenbaren, nicht plötzlich zu menschlich, um noch als souverän zu gelten und vom Souverän gewählt zu werden?"
Und nun? Wisst ihr was? Mir ist das eigentlich egal. Ich glaub' eh nicht, dass sich mein Resultat bei den nächsten Wahlen auf irgendwelche Begebenheiten zurückführen lassen. Aber der Blog wird weiter bestehen, ob ich nun in der Politik bleibe oder nicht.

Kommentare:

kathrinb hat gesagt…

ich nehme es dir zwar durchaus ab, dass es dir egal ist...

aber gehört es nicht auch zu den standard-phrasen aller politikerinnen und politiker zu behaupten, dass es ihnen egal sei, ob ihr verhalten von den wählerinnen und wählern goutiert wird oder nicht?

so wie sie immer behaupten, alle anderen würden dauernd nur wahlkampf machen, anstatt echte probleme anzupacken?

Reto M. hat gesagt…

@ kathrinb

Ich habe nicht unbedingt gesagt, dass es mir egal ist, ob es goutiert wird oder nicht.
Natürlich - und da bin ich absolut überzeugt - ist es sehr wichtig, dass ich eine Menschengruppe vertrete - nämlich meine Wählenden - und stellvertretend mein Verhalten, meine Impulse, meine Ideen diese Menschengruppe politisch vertreten soll. Diesbezüglich ist es mir nicht egal, was dieser Teil der Bevölkerung von mir und meinem Tun denkt.

Was mir egal ist und dies ist eine gefährliche Aussage, die mir meine Kolleginnen und Kollegen oben in Bern immer wieder verbieten: Falls die Gruppe der Menschen, die das Gefühl haben, ich würde sie politisch vertreten und deshalb mir ihre Stimme geben, einmal so klein sein sollte, dass es mir nicht für den Sitz reicht, dann würde ich wohl eine Nacht schlecht schlafen und darüber hirnen, aber dann wäre es mir egal.

Ich glaub' ich hab nie einen grossen Hehl aus der Sache gemacht, dass ich Verbissenheit in der Politik nicht mag, obwohl ich in Wahlkämpfen für Menschen, denen ich das politische Vertrauen ausspreche, ja ziemlich Gas geben kann...

Titus hat gesagt…

Hallo Reto

1) Da lachen sie wieder von den Plakatwänden, die Kandidaten, welche die Bevölkerung in den nächsten vier Jahren vertreten wollen. Soll ich nun jene mit dem blauen Foulard wählen oder doch jenen mit der roten Kravatte? Oder vielleicht doch den jungen Mann, der sich schon mal mit Rasierschaum im Gesicht auf seinem Blog zeigte ;-) ?

Auch wenn Langenthal mit knapp 15'000 Einwohnern relativ klein und überschaubar ist, kennt man die Menschen - und wie sie wirklich sind und was sie denken – kaum. Ich, als Wähler (aber nicht von Langenthal), möchte schon etwas mehr wissen über die, die da schwarz auf weiss auf einer Liste stehen. Der Name der Partei reicht mir heute, in einem Umfeld zunehmender Polarisierungen auch im lokalen Umfeld, nicht mehr. Man soll von sich zwar nicht auf andere schliessen, trotzdem glaube ich aber, dass andere ähnlich denken. Deshalb finde ich Dein Blog auch so gut, denn so wissen die LangenthalerInnen, wenn sie wählen – oder lieber doch nicht wählen. Bei den anderen Kandidaten wird die Katze erst nach den Wahlen aus dem Sack gelassen...

Ja, auch Privates gehört hier doch rein – zumindest solange, wie die Schweizer Illustrierte nicht alle drei Jahre eine Homestory über Dich macht ;-))

2) Was A sagt, ist bekanntlich nicht immer das, was B versteht – oder verstehen will. Insbesondere bei der Berichterstattung kann eine falsche Wiedergabe einer (falsch verstandenen?) Aussage dramatische folgen haben, da die Berichterstattung häufig auch einen „anklagenden“ Charakter hat oder so verstanden wird. Hier kann ein Blog korrigierend wirken und ein Gegengewicht für die Meinungsbildung liefern. So erteilt der Stadtratspräsident dem Stapi nicht aus parteipolitischen Gründen das Wort nicht, sondern weil es das Reglement so vorsieht.

3) Es ist immer wieder spannend, von Dingen zu lesen, von denen man sonst nichts zu lesen, zu sehen oder zu hören bekommt (aus was für Gründen auch immer). Das gibt Einblicke in den politischen Betrieb „in einer mittelländischen Kleinstadt“ und kann Motivation für andere sein, auch mal mit 30 oberster Einwohner seiner Wohngemeinde zu sein…

Deshalb: Mach mit Deinem Blog so weiter, denn er ist in vielerlei Hinsicht (siehe oben) eine Bereicherung (und wem’s nicht gefällt, kann sich ja mal selbst googeln ;-).

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:

Herzlichen Dank! Du triffst bei mir den Nagel so was von mitten auf den Kopf mit deinem Lob, was mir echt gut tut. Insbesondere beim Schlusssatz sprudelte ein energisches Lachen aus mir heraus.

Ich denke ähnlich. Authentizität ist mir hier drin sehr, sehr wichtig. Ob die Leute dann einen Grund haben, um mich zu wählen oder doch eher den Grund gefunden haben, mich nicht zu wählen, bleibt doch sekundär.

Was Homestorys betrifft empfehle ich morgen Sonntag Frau Leutnant Grütter in der Sonntagszeitung zu lesen. Da bin ich auch erwähnt... ;-)

stefanie hat gesagt…

Ich schreibe noch nicht lange an meinem Blog. Zuerst habe ich mich etwas schwer getan, weil ich nicht recht wusste wie ich vorgehen muss. Ich habe mir immer sehr viele Gedanken gemacht, dass ich ja alles richtig mache. (mache ich mir zwar immer noch, dass liegt in meiner Natur) Doch ich habe richtig SPass an der Sache bekommen. Die Menschen die mich eventuell wählen, dürfen ruhig erfahren wie ich lebe und "ticke". Ich bin wie ich bin, nicht perfekt aber doch immer bereit, mich für eine gute Sache einzusetzen. Und nur das zählt für mich und nichts anderes.

Reto M. hat gesagt…

@ Stefanie:
Ich denke, dass im Blog (und wohl auch im Leben) eines sehr wertvoll ist. Reflexion.
Der Blog hilft mir persönlich dabei. Dass wir diese Art Hinterfragen auf öffentlichem Wege beschreiten, mögen einige auch hinterfragen, für mich persönlich passt das aber und dies ist wohl die Hauptsache an der Blog-Geschichte.

Chnübli hat gesagt…

Ich würde Dich ja sofort wählen, könnte ich in Deinem Wahlkreis meine Stimme abgeben.

Reto M. hat gesagt…

Och Chnübli, wie süss. Danke dir. Wie geht's dir eigentlich? Da auf deinem Blog noch nichts geht, mache ich mir langsam aber sicher Sorgen.