Donnerstag, 7. August 2008

Bloggende 1. August-Rede

Bundesrat Moritz Leuenberger ist uns normalen Politos kommunikationstechnisch oft immer ein Schrittchen voraus. Nun. Schliesslich sei es ihm als Kommunikationsminister und hervorragendem Rhetoriker auch vergönnt.
Die Idee einer 1. August Rede im Blog ist genial. Und wahrscheinlich hat er recherchiert (oder lassen) und tatsächlich die 1. Blog-1 .August-Rede überhaupt "gehalten". Die Idee hätte mir auch kommen können. Nun. Ob er davon Notiz genommen hätte, ist eine andere Frage. Mein Publikum ist schliesslich massiv kleiner.

Ich hielt die 1. August Rede im Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal. Es ist dort Sitte, dass der höchste Langenthaler spricht und dies nicht zu lange. Ich hatte mich deshalb auch für eine etwas andere Rede entschlossen:

Mini Grossmueter het in Lotzwil e Burehof gha. Glich wie mini Urgosseutere und so vieli vo mine Ur-Verwandte. Mi Urgrossvater wäri gärn Lehrer worde und i gloube mini Grossmueter eigentlech ou, aber das isch denn nid gange. Daderfür hät si id Schueu nach Langetu müesse u das isch haut viu zwiit wäg gsi zur damalige Zyt. Es het ir Burestube e länge, warme Ofebank gha. Überem Bank si Gsteu gsi, wome het chönne Chuchitüechli u anderi Sache zum Tröchne ufhänke. Ufem Ofe säuber isch meischtens am Grossätti si Spazierstock gläge.

Uf däm Bank simer viu ghocket u d Grossmueter het üs Sache bibrocht zum Bispiu d Farbe mit de bunte Chlämmerli usem Konsum oder ds Zöue mit Eierschachteli. Sie het zueglost und brichtet. Sie het hüfig gseit: Früecher isch das anders gsi. Bi dere Glägeheit isch sie hüüfig i ihres Zimmer gange und het öppis füregno zum Zeige. Sie het öpe die mit Stouz ihres Zügnis us der 9. Klass brocht, wo sie überau es 1 het gha. Jo, es 1. Das sigi damaus die höchsti Note gsi. I ha ihre ömu aues gloubt. Es het Fächer druf gha, wie Fliiis u Sorgfaut, wo ou e Note gä hei.

Mängisch hani mini Grossmueter nid verstange. We si Sache gseit het wie: „Chum mir ärfele.“ Hani nid gwüsst, dass sie wett umarmt wärde. Oder ou Wörter wie „bääje“ oder „bchalle“ oder „bäre“ oder „bchieme“ „Brattig“ oder „Brächere“ um nume es paar mit B z nenne, sie mir frömd gsi. Ja. Das isch früener angers gsi.
Bestimmt het sie o nid immer aues verstange woni gseit ha. „Gäu, das isch cool.“ ; „Isch huere guet.“ „Mega geil.“
Sie het nie gseit, wasi säge sigi schlächt oder fautsch. Mir hei enang zueglost o wemer angers gredt hei.

Mini Grossmueter het nie gseit es sigi früecher besser gsi aus hüt. Sie het immer nume gseit, es sigi haut angers gsi. Es schnäus Urteil het sie nid gfäut. Sie het viu gwärchet u nie klagt.
Hüt ghöre i oft vo viune Lüt wie sie jammere u chlage: Das isch nid guet. U bi eim muess me no das u dieses besser mache. U i froge de öpe zrügg: Ja. Was sit de dir bereit derfür zmache, damits besser wird? Vieli dänke mi chöni hüt cho u säge, was me wöu u öper angers machis de. Ja. Hüüfig geits eso u de vergisst me de ds Merci o no. Sie vergässe derbi o, dass es vieli het wo viu mache u dases so vieles git, wo mir hüt scho hei und dases üs hüt mit au däm Luxus bequem isch u vilicht jedem einzelne e chli ringer u besser geit aus früecher.

Es isch hüt angers aus früecher und es wird ou morn wieder angers si aus hüt. D Wäut dräut sech immer wiiter und entwicklet sech und i ha mängisch ds Gfüehl si dräit sech immer schneuer, d Distanze wärde immer chürzer, aber d Mönsche enang dadurch vilicht o immer e chli frömder.

Gäuit. Das isch e komischi erscht Ouguscht Red? Was redt jetzt dä do zum Geburtstag vodr Schwiiz. Dä isch doch Poltiker u redt nüt vo Politik! Das isch jo ganz anders aus früecher???

I wett öich säge, dass aues woni mit dere Gschicht über mini Grossmueter gseit ha, dermit z’tüe sött ha.
Mir müesse i dere Schwiiz – o gad wöu mer verschiedeni Sproche rede, enang ganz guet zuelose. Es chöme o immer meh Sproche derzue und o die Mönsche müessemer probiere z verstoh. Mir dörfe nid ds Gfüehl ha, dass öper angers üs üsi hütig Schwiiz bout. Mir müesse säuber apacke und üs üsi Wäut gstaute. Es brucht wieder meh Lüt wo Poltik mache, wo id Vereine gö, wö tüe wähle u mitabstimme. Und mir dörfe ou öpe die emou zfriide si mit üs u mit däm wie’s Läbe bishär gloffe isch und Zueversicht ha, dases ir Zuekunft guet wird usecho. Angscht isch e schlächte Ratgäber u Europa isch so friedlich u sicher, wie no nie vorhär. Es wird künftig angers si aus bishär, aber es wird guet si. U mir dörfe ou mou Merci säge. Merci für die wo üs begleite, üs zuelose, aktiv mit üs läbe und ds Läbe hie häufe gstaute.

I wünsche öich aune zum hütige Nationalfiirtag vodr Schwiiz drum viu Chraft, viu Stouz, viu Zueversicht und beschti Gsundheit fürne gueti Zuekunft.

Nun. Im Anschluss wurde es dann doch auch noch ein wenig politischer. Wir betrachteten noch ein wenig die Stabilität im Lande. Dass es viel erträgt in unserem System, auch wenn eine Partei mal rasch in die "Opposition" geht, funktioniert die Schweiz problemlos. Und ich bedankte mich, dass diese Menschen mit einem Altersdurchschnitt von über 90 Jahren uns in Langenthal den Weg (auch politisch) gepflästert haben, auch welchem wir nun weiterschreiten.

Kommentare:

Andreas Kyriacou hat gesagt…

Wer auch immer für Moritz Leuenberger "recherchiert" hat, er oder sie hat geschlampt. Es gibt zahlreiche bloggende PolitikerInnen, welche die Idee schon vor ihm hatten. Im Jahr 2008 eigentlich nicht wirklich überraschend, oder?

Reto M. hat gesagt…

Danke für die Nachrecherche. Ich denke, dass sein Beitrag vielleicht ein Novum darin hatte, dass diese 1. August Rede ausschliesslich für den Blog war und nirgendwo sonst gehalten wurde.

Aber auch hier bin ich mir nicht sicher, da nicht recherchiert.