Montag, 21. April 2008

Lehrer mangeln und Lehrermangel

Lehrermangel oder Lehrer mangeln? Oder beides?
Nachdem vor zwei Wochen berichtet wurde, dass die falschen Menschen (Charakteren auf der Suche nach den drei vF: viel Freizeit, viele Freiheiten und viele Ferien) Lehrkräfte werden, so sprachen die Sonntagsmedien gestern von einem eklatanten Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal. Insbesondere in den Oberstufen der Schulen. Bestimmt hat es einen Zusammenhang, dass neu ausgebildete 3vF-Lehrkräfte den Ansprüchen der heutigen Schule nicht genügen. Diese Menschen bleiben nicht lange im Beruf... es mangelt ihnen an der Einstellung oder den Fähigkeiten oder beidem, also mangelt es an Lehrkräften.
In der Ostschweiz begegnen sie dem Problem mit der Akquirierung von deutschen und österreichischen Lehrerinnen und Lehrern, wobei dann immerhin meist wohl auch das Problem der Mundartsprache im Unterricht gelöst ist und im Kanton Solothurn soll ein Viertel der Oberstufenlehrkräfte nicht über die eigentlich notwendige Qualifikation zum Unterrichten verfügen....
Diverse politische Gremien beschäftigen sich nun mit einer möglichst kreativen Problemlösung. Ich will dazu beitragen:
Bezahlt doch einfach mal mehr Lohn und lasst euch gute Bildung etwas kosten.
Dann sehe ich auch keinen Absprunggrund mehr. Der Job wurde im Laufe der Jahre nämlich auch durch die diversesten Sparübungen und Einschränkungen (Kürzungen von Lektionen, Erhöhung der Pflichtlektionenzahl, Streichen von Spezialunterrichtsstunden) in der Einflussnahme auf Entwicklung und Erziehung der Kinder und Jugend und somit im gesamten gesellschaftlichen System enorm geschwächt. Der Mangel erstaunt nicht.

Gründe für einen Absprung vom Lehrerberuf gibt es heute viele. Aber es gibt eigentlich mindestens ebenso viele Gründe beim Beruf zu bleiben.
An und für sich ist es ein toller Job. Die Arbeit mit Jugendlichen kann so enorm viel Freude bereiten. Ich kenne sehr viele Lehrkräfte, welche eine tolle Arbeit leisten. Für die Kinder. Für unsere Gesellschaft. Sie haben Anerkennung verdient und der Staat sollte sich dafür einsetzen, dass diese Menschen auch Pädagogen bleiben, anstatt ihr Können leichtfertig an die Privatwirtschaft zu verdingen.

Kommentare:

Pitsch hat gesagt…

Hallo Reto
Könntest Du die Zeile:"wobei dann immerhin meist wohl auch das Problem der Mundartsprache im Unterricht gelöst ist" etwas näher erläutern? Seit wann ist die eigene Muttersprache in der Schule ein "Problem"? Dieser Satz, so da stehend könnte falsch verstanden werden….;)
Was die Sparübungen angeht so kann ich nur sagen: “Willkommen im Club“. Das ist überall der Fall, nicht nur in unseren Schulen. Polizei, Armee uswusw…..
Gruss
Pitsch

gerry hat gesagt…

lieber reto
als dein arbeitskollege muss ich zu diesem thema auch mal ein statement abgeben: ja, lehrer sein ist schön, vor allem wenn man laut stundenplan bis 11.55 uhr schule hat und dieser lange blog- eintrag schon um 11.54 uhr im netz erscheint...
also blog-freunde: ab an die PH!
gruss gerry

kollege hat gesagt…

Zuerst: Ich bin selber Lehrer und gehe oft das Risiko ein, als Nestbeschmutzer zu gelten.
Und trotzdem: Das notorische Gejammer von uns Lehrern geht mir manchmal auf den Sack.

Hier etwas Selbstmitleid: Ja, Lehrersein ist ein schöner Beruf. Ja, Lehrer werden oft als gesellschaftliche Pinkelbalken missbraucht. Ja, Lehrer haben grosse Lohneinbussen erlitten.

Und hier Tatsachen, die wir nicht gerne hören: Ja, Lehrer haben grössere Freiheiten (und mehr Ferien) als VIELE andere Berufe. Ja, Lehrer haben immer noch einen soliden Lohn. Ja, Lehrer haben eine relativ sichere Anstellung.

Hören wir mit dem Gejammer und Vorschaukeln falscher Tatsachen auf! Überzeugen wir die Bevölkerung vom immensen Wert unserer Arbeit!

Reto M. hat gesagt…

@ pitsch:
Nun. Es ist Gesetz, dass in der Schule nur noch Standardsprache gesprochen werden sollte. Und dies ist die hochdeutsche Sprache. Da kann ich dir nicht helfen.

@ Gerry:
Nun. Das Teil beginnt zu zählen, wenn man sich einloggt. Ich gebe zu 11:54 Uhr. Mit dem Email (SSR-Abo an mich selbst ;-)), das ich dir gleich sende, wirst du sehen, dass der Blogeintrag aber um 17.50 Uhr gemacht und hochgeladen wurde. Also 50 Minuten nach Schluss meiner letzten Lektion. Damn... bist du aufmerksam. Da muss ich als Klugscheisser auf der Hut sein. Plötzlich rassle ich sonst noch rein... ;-) Schöne Hinech!

@kollege:
Auf das du erhört wirst. Selbstverständlich hast du Recht. Aber deine Lohnklasse - lieber Kollege - ist um einiges höher als meine. *Jammer, jammer, jammer*. Gut. Dafür hast du Kinder...