Mittwoch, 9. April 2008

Killerspiele - Verbieten oder nicht?

Im Nachgang zur politischen Debatte im bernischen Grossen Rat zu einer mit überwältigender Mehrheit angenommenen Standesinitiative zum Verbot von Killerspielen gelangte ich via Slug auf den Blog Killerspiele.ch.
Der Blogeintrag war sehr neutral formuliert. Deshalb wagte ich mich in den Kommentaren die Frage nach dem Sinn solcher Spiele zu stellen. Die Diskussion scheint sehr interessant zu werden und ich bin froh - als Mensch und als Lehrer -, dass die Einhaltung des Jugendschutzes bei Filmen und Spielen- die FSK (insbesondere FSK 18+) - auf nationaler Ebene diskutiert werden kann:

Hier die Kommentare:

Oli hat gesagt...

Lächerlich so ein Verbot!!! Wenn schon müssten die Kontrollen verbessert werden.

Dann sollten auch gleich sämtliche Action- und Horrorfilme ab 18, alle Kriminalromane und sämtliche Musikstücke, in denen über Gewalt gesungen wird, verboten werden. Ausserdem könnten wir ja gleich auch noch den Namen der Schweiz in "Volksrepublik Helvetia" umbenennen und entsprechend, das Internet einschränken und kontrollieren.

08.04.2008 19:26:00

Blogger Reto M. hat gesagt...

Ich finde es sehr gut, dass die Standesinitiative angenommen wurde und man bald schweizweit über dieses Thema diskutieren wird.
Insofern die FSK endlich funktionieren würden, bräuchte es kein Verbot. Aber ich persönlich bezweifle halt stark, dass es Killerspiele überhaupt braucht. Warum wollt ihr so was spielen?

08.04.2008 19:54:00

Anonym Oli hat gesagt...

Hier geht es doch nicht darum, ob es die Spiele braucht oder nicht. Es geht darum, dass jeder Mensch, selbst für sich entscheiden soll, was für ihn gut ist und was nicht. Selbstbestimmung und Freiheit sind die wichtigsten Grundsätze einer jeden Demokratie. Das wussten schon die Ostdeutschen, als sie 1989 Freiheit und Selbstbestimmung forderten indem sie proklamierten: „Wir sind das Volk“.

Dann könnten wir dies ja auch gleich zu einer Grundsatzfrage ausweiten: Braucht es Rotwein, Zigaretten oder Kaffee. Braucht es Actionfilme, Formel-1 Rennen oder Open Air Festivals uvm. Alles total unnötige Dinge.

Zu ihrer Frage, was Ballerspiele so ausmachen: zuerst mal die Atmosphäre, die ähnlich, wie bei einem Thriller unter die Haut geht. Dann die Möglichkeit einmal eine ganz andere Persönlichkeit sein zu können. Beispielsweise in die Rolle des Helden oder des Bösewichtes schlüpfen zu können oder sich mit anderen Spielern in einem Multiplayer-Game zu ganzen Truppen zu vereinen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Des Weiteren haben Studien erwiesen, dass diese Games auch was Gutes haben. Beispielsweise werden Reaktion- und Koordinationsfähigkeiten verbessert.

Mit einem Verbot werden wieder einmal Bürger/innen vom Gesetzgeber bevormundet und damit in die Illegalität gedrängt, denn eines ist sicher: „Kein Verbot hält mich davon ab, ein solches Game zu spielen“. Ich bin volljährig, habe keine Vorstrafen und auch sonst ticke ich völlig normal und deshalb sehe ich nicht den geringsten Grund, mich von meiner Regierung in irgend einer Weise bevormunden zu lassen. Ich entscheide selbst, welche Spiele ich spiele, wie ich auch entscheide, welches Buch ich lese, welche Musik ich mir anhöre oder welche Internetseiten ich besuche.

08.04.2008 23:59:00

Oli hat gesagt...

Nur noch etwas am Rande: Mich erstaunt es immer wieder, was für eine abstossende Doppelmoral die SP und ihre Exponenten doch fahren. Beispielsweise sind Sie für die Legalisierung von sämtlichen Drogen, aber gegen Killerspiele. Einfach lächerlich.

http://www.heute-online.ch/news/schweiz/artikel50906

Für mich ganz klar, die (A)Sozialste Partei der Schweiz. Kein Wunder verliert diese Partei am Laufmeter Wähler, wenn Sie seit Jahren solchen Mist verzapft.

09.04.2008 00:16:00

Anonym Anonym hat gesagt...

@ reto m. und Roland Naef(SP)

Warum braucht man Spiele dieser Art oder aber auch warum werden sie gespielt...eine ganz simple Antwort:
Wenn alles mit Regeln und Gesetzen eingezaeunt wird,das taegliche Sein mehr und mehr nicht mehr als Frei bezeichned werden kann, dann braucht es Instiktiv was zur Beruhigung.
Unser Instinkt und Ablauf entspricht noch dem eines "Neandertaler" der auf Jagd geht und Freiheit kennt, oder glaubt ihr wirklich das in einem Zeitraum von ca.800 jahren unser ganzes inneres Netz einfach so getauscht werden kann??
Dann seht euch mal das Beispiel Fett an: Bevor musste man ums Essen kaempfen und heute wird man dick nach sieben Tagen,was nichts anders meint als das unser System sich nicht so schnell unserem Lebenswechsel anpasst oder warum spielt unser Koerper nicht mit und baut das "zuviel" gefressene ab???
Ein spezielles Beispiel,das aber in den gleichen Topf gehoert: Versuchen wir nicht "primitiv" zu sein?!

Bei einem Kommendar las ich "Volksrepublik Helvetia"...so traurig aber langsam wirklichkeit.

09.04.2008 01:48:00

Anonym Anonym hat gesagt...

Ich hätte gerne ein Verbot für Politiker.

09.04.2008 07:46:00

Blogger Reto M. hat gesagt...

@ Oli:
Nun. Danke dir für deine Ausführungen. Unser Leben bestreiten wir ja nur in einer scheinbaren Einheit von Freiheit und Selbstbestimmung. Unser Recht auf diese beiden Güter sind ja nur so weit begründbar, bis sie nicht das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung eines anderen Menschen einschränken. Ich will nicht polemisieren. Denn wer sich solch reflexive Gedanken machen kann, wie du, ist bestimmt ein verantwortungsvoller Mensch und somit auch Spieler. Massnahmen sind aber bezüglich des Jugendschutzes unbedingt notwendig. Grossen Ausschlag hat im Grossen Rat auch das Votum eines alt Oberrichters gehabt, welcher von einem problematischen Zusammenhang von Gewaltdelikten mit sogenannten Killerspielen sprach. Wie verhindert man, dass Spiele und Filme FSK 18+ an jüngere Menschen geraten.
Der Vergleich mit der Drogenpolitik ist ein wenig ein Vergleich zwischen Apfel und Birne. Die SP ist für eine kontrollierte Drogenabgabe - mit dem Ziel des Suchtausstiegs. Diese Abgabe ist in der Illegalität nicht möglich. Das ist der einzige Grund.

@ anonym 1: Ich bin froh, dass wir heute nicht mehr nach den gesellschaftlichen Regeln der Neandertaler leben, zumal diese im Gegensatz zu unserer Gattung dem Homo Sapiens ja ausgestorben sind.

@ anonym 2:
Jawohl und dann? Was ist danach? Führen wir dann eine Volksherrschaft nach chinesischem Beispiel ein? Oder gilt dann endlich wieder das Recht des Stärkeren?

09.04.2008 08:19:00


Kommentare:

Schmissi hat gesagt…

Das Unwort "Killerspiele" nehmen bedauerlicher weise wiederum nur solche in den Mund, welche selber noch nie ein solches Game gespielt haben und generell von diesem Genre keine Ahnung haben. Es ist zudem erschreckend, wie wehleidig und weinerlich unsere Gesellschaft inzwischen geworden ist. Kaum fliesst irgendwo Blut schreien alle nach Gesetzten. Und selbst wenn’s nur im Computer ist. Gamen wird kriminalisiert…….das ist doch Wahnsinn!! Wenn jemand wirklich etwas gegen die Gewalt im Alltag, in den Familien und den Schulen unternehmen will, dann sollte man dort die Schraube anziehen wo’s wirklich nützt. Und das ist, war und wird immer der Alkohol sein. Dieses enthemmende und vernebelnde Gesöff lässt doch Menschen erst ausrasten. Ich bin absolut überzeugt, das in der Mehrzahl aller Gewaltdelikte -besonders bei Jugendlichen - der Konsum von Alkohol mit im Spiel war. Aber das will einfach keiner sehen. Warum weiss ich auch nicht. Und wenn irgendein >50 Jährige/e lic.jur mit irgendeinem politischen Amt sich über Computerspiele auslässt, kann ich nur lachen. Diese Generation kann ja knapp noch ein email verfassen und damit hat sich’s. Aber anderen Vorschriften machen, das ist doch einfach nur Blödsinn!!

Anonym hat gesagt…

Ich habe vor einer Woche meine Maturaarbeit zum Thema 'Lösen Killerspiele Amokläufe aus?' abgeschlossen. Dazu musste ich zwangsweise massenhaft Meinungen gegen Killerspiele lesen. Ganz besonders hat mich das Zitat eines deutschen Psychologen beeindruckt: 'Der zusammenhang zwischen Killerspielen und Amokläufen ist so klar wie der von Rauchen und Lungenkrebs'. Frontal 21, eine Doku-Serie des ZDF meinte sogar, dass etliche Studien bewiesen, dass Killerspiele gewalt auslösen oder gleichgültig gegen Gewalt machen. Dies ist jedoch eine Falschaussage, denn die von ihnen angegebenen Studien sagen nichts dergleichen aus (ein herzliches Danke übrigens an stigma-videospiele.de). Jeder normale Mensch spielt solche Spiele um Spass zu haben. Zukünftige Amokläufer hingegen kappseln sich ab, machen einen auf Nazi und/oder Satanist und fangen an sich an Gewalttaten zu ergötzen. Die meisten nehmen sich andere Gewalttäter zum Vorbild. Dass sie Killerspiele spielen ist somit nur ein Symptom. Eine Studie des FBI und Secret Service hat ergeben, dass lediglich ein achtel(!) der Amokläufer an Schulen regelmässig solche Games gespielt hat. Jedoch waren drei viertel gemobbte Musterschüler. Da muss man sich schon fragen wie gross der Einfluss von Killerspielen wirklich ist.

Reto M. hat gesagt…

Lieber Anonym:

Besten Dank für die Ergänzungen, die den Beitrag nach noch fast 3/4 Jahren nach Erscheinen bereichern und damit auch festhalten, dass Bloggen zwar an und für sich für den Moment geschieht, aber darüber hinaus manchmal nicht an Aktualität verliert.