Samstag, 22. März 2008

Umziehen

Ich hatte beinahe vergessen, wie anstrengend ein Umzug ist und das ist auch der Grund der Blogleere. Und dabei war ich nur Helfer und nicht derjenige, welcher umzieht. Mein Bruder und seine Frau, sowie der kleine Sohnemann sind es, die sich eine neue Bleibe einrichten. Mitten in Zürich. Mein Bruder hat von nun an nur noch 200m Arbeitsweg und seine Frau etwa gleich viel Weg bis ins Einkaufszentrum Sihlcity. Das klingt zwar etwas dumm klischeehaft, aber dies sind - nebst der grössen Wohnung - bereits alle Gründe. Gestern hatte das Kistenpacken begonnen (Ja, am Karfreitag. Auch der Auserwählte hat an diesem Tage gelitten... warum ist das heute ein Feier- und kein Arbeitstag?) und heute im grossen Schlepp geendet. Ich will mich aber nicht beklagen. Ich helfe gerne und die Zeit mit der Familie, insbesondere auch mit dem Kleinen geniesse ich sehr. Zumal sie sonst immer zu kurz kommt.

Heute ab 14 Uhr hatte ich aber einen starken Anflug von Fernweh und Sehnsucht. Ich stellte mir vor, wie schön es wäre, gemeinsam durch Nizza zu schlendern. Wieder einmal auf's Meer hinaus zu blicken und einfach so an der Sonne und Wärme zusammen zu sein. Innere und äussere Wärme zu tanken. Und ständig begleiteten mich Gedanken: "Warum tust du es nicht einfach? Geh doch. Heute noch. Dann hast du immer noch 2 Tage." Mein GPS im Handy, dass ich vorsorglich startete, meldete ab Zürich 6h20min... Autofahrt. Hmmm.... 48 Stunden. Davon 13 Stunden Autofahrt. Mein Herz, mein Körper frohlockten: "Das schaffst du. Kein Problem." Mein Verstand sagte: "Wahnsinn. 4 Tage wären ja super gewesen, aber so rasch husch-husch und dann auch noch mit dem Auto... tu es nicht." Und trotzdem dachte ich auch: "Es ist zwar verrückt bei all der Arbeit, die du auch noch erledigen solltest, aber warum nicht auch mal etwas Verrücktes machen. Schliesslich hast du die Herbstferien für die Kampagne der Nationalratswahlen geopfert. Du hast es dir verdient mit deiner Liebsten am Strand zu sitzen und auf's Meer hinaus zu blicken."

Fortan begleiteten mich pro- und contra-Argumente meiner Gedankenspiele, bis ich um 18 Uhr realisierte: "Mann, du bist so kaputt und müde. Vergiss es. Es bringt weder ihr noch sonst jemandem etwas, wenn du dein Leben auf einer französischen oder italienischen Autobahn vor lauter Müdigkeit beendest." Und. "Liebe ist es auch, diese tiefe Sehnsucht zu empfinden und auszuhalten." Ich glaube denn auch wir sind uns heute in dieser grenzenlosen (hektischen) Mobilität einfach viel zu sehr gewohnt, bereits die ersten Anflüge von Sehnsüchten und Verlangen befriedigen zu lassen, da wir schlicht und einfach raschen Zugang zu Lösungen aller Art haben. In der Art von: "Ich habe gerade Lust auf Süsses. Ich habe gerade Lust auf Heiraten. Ich bin viel zu fett geworden. Das ist lästig. Lass uns scheiden."

Und so sitze ich nun hier und bin der langweilige Schweizer, welche seine verrückt spontanen Gedanken müde in einen Computer hineinschreibt und es so einer weltweiten Öffentlichkeit kund tut? Das ist wieder einmal ein sehr, sehr persönlicher Beitrag für einen Polit-Blog. Weshalb eigentlich? Diese Frage wird mich betreffend Aufspaltung in pro- und contra-Argumenten, wie auch in der Entscheidfindung bis zum Schlafen vom Fernweh ablenken. Die Sehnsucht tilgte (einigermassen) die wiederum unglaubliche Leistung der Mobilfunkanbieter. So viel zum Thema rasche Befriedigung von Sehnsüchten für heute. Nobody's perfect - ich schon gar nicht... ;-)

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