Montag, 31. März 2008

Die falschen Studenten werden Lehrer


Die falschen Studenten werden Lehrer

Für die Berufswahl sind vor allem die kurze Studiendauer und viel Freiraum entscheidend

Von Nicole Meier

Bern In der Schweiz werden die falschen Leute Lehrer. Eine neue Studie der Koordinationsstelle für Bildungsforschung zeigt: Wer sich für den Lehrerberuf auf der Primar- und der Sekundarstufe I entscheidet, sucht ein Studium von kurzer Dauer, mit viel Freiraum und kurzer Distanz zur Ausbildungsstätte. Die künftigen Lehrer sind zwar sozial und musisch interessiert - Wissenschaft und Forschung können sie aber wenig abgewinnen.

Zu diesem Resultat kommen die Studienautoren der Universitäten Lausanne und Bern auf Grund einer repräsentativen Befragung von 1500 Maturanden in neun Deutschschweizer Kantonen.

Für den Lehrerverband LCH ein unerfreulicher Befund. Dieses Profil der künftigen Lehrer vertrage sich «ziemlich schlecht mit einer tüchtigkeitsorientierten Bildungspolitik», mit Pisa-Anforderungen und mit wirtschaftlichem Wettbewerb, sagt Anton Strittmatter vom LCH.

Lehrer entscheiden sich in erster Linie gegen die Uni

Auch Stefan Denzler, Ko-Autor der Studie, sieht Probleme: «Die Lehrerbildung muss ihren Auftrag mit Leuten verwirklichen, die nicht an Wissenschaftlichkeit interessiert sind.» Das hat sich trotz der Anhebung der Lehrerbildung auf Hochschulstufe nicht geändert. Die Maturanden mit Berufswunsch Lehrer unterscheiden sich stark von jenen, die ein Universitätsstudium anpeilen. Die Wahl eines Studiums an einer Pädagogischen Hochschule ist deshalb eher ein Entscheid gegen ein Unistudium als für den Lehrerberuf.

Dieses Ergebnis bestätigt eine Studie aus Deutschland: Die faulsten Studenten werden Lehrer, die besten schmeissen - unterfordert - das Studium frühzeitig hin.

Die Pädagogischen Hochschulen der Schweiz haben das Problem erkannt und die Beurteilung der Studenten verschärft.

Hmmmm... ich denke noch darüber nach. Aber einige Tage Ferien, ein gesichertes Einkommen und relativ viel frei einteilbare Zeit stehen einem grossen Lohn, Aufstiegsmöglichkeiten und dem Ende des politischen Engagements gegenüber. Bisher entschied ich mich stets für die erste Variante und gegen den Einstieg in die Privatwirtschaft. Mit einem Studium, mit welchem ich noch lange Zeit liebäugelte, habe ich abgeschlossen, denn man wird nicht jünger. Und... ich liebe meinen Beruf.

Kommentare:

kollege hat gesagt…

Der Artikel hing heute bereits an unserem Anschlagbrett. Ich hatte den Eindruck: Was nicht sein darf, kann nicht sein.

Aber hat der Artikel nicht etwa einen wahren Kern? Ich habe selber zwei Lehrerausbildungen genossen und arbeite als Lehrerbildner. Und ich muss sagen: Es gibt sie, diese faulen Studenten (nicht selten männlich!), die wohl kein Uni-Studium schaffen würden... Eine schärfere Eignungsabklärung für die PH wäre durchaus angebracht.

Zum Glück - und dies betrifft dich, Reto - gibt es aber auch die überzeugten Lehrer, die mit Freude und innerem Feuer unterrichten. Mögen sie nicht aussterben.

Reto M. hat gesagt…

@ Kollege:

Danke für die Blumen, welche ich beschämt, aber doch gerne, annehme. Und selbstverständlich in noch blumiger Weise auch an dich, werter Kollege, weiterreiche.

Ich weiss ja, dass es teils stimmt und deshalb war ich auch ernsthaft am Grübeln. Zu meiner Zeit im Lehrerseminar konnte man sich damit trösten, dass nicht unbedingt die Bestbenoteten dann auch die besten Lehrkräfte abgaben. Aber es gab einfach auch Menschen, die waren nicht fähig. Nicht fähig vor einer Klasse zu stehen. Nicht fähig mit den individuellen Freiheiten, die der Beruf (als grosses Plus) bietet, umzugehen. Ich dachte meist, dass diese Menschen nur kurze Zeit unterrichten.

Im Nachdiplomstudium an der PH Bern traf ich sehr viel motivierte Lehrkräfte, welche perfekten Unterricht bieten und ich traf auch einige, denen man bei Schulbesuchen versucht war zu sagen: "Bitte. Tue dir das nicht mehr an und mach etwas anderes."

Doch was kann jemand tun, der nach 25, 30 oder 40 Jahren geschützter Werkstatt plötzlich etwas tun sollte, da er im Lehrerberuf nicht mehr genügt?

... wir stehen nebst den vielen Reformen noch vor etlichen Schwierigkeiten in diesem Berufstand.

Lass uns aber das Feuer weitertragen (auch wenn das olympische diesbezüglich nicht begeistert) können wir teils hoffentlich etwas tun. Auch wenn sich dies nur auf die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse beschränkt.

kollege hat gesagt…

I have a dream, nämlich:

1. Lehrersein gehört zu den Berufen mit dem höchsten gesellschaftlichen Ansehen (was es ja verdient hätte).
2. Lehrer zu werden ist eine Ehre mit wahren Hürden und nicht eine Verlegenheitslösung.

Was mich dabei hoffnungsvoll stimmt: Es gibt (europäische) Länder, in denen das obige der Fall ist...

Reto M. hat gesagt…

@ Kollege:

Dream' on....

;-) Mehrfachdeutungen nicht ungewollt.