Samstag, 29. März 2008

Calmy-Rey im Blick

Heute Morgen dachte ich mir, dass ich gemütlich in den Hütetag mit dem Neffen einsteigen möchte. Also stieg ich frühzeitig aus dem Bett und ging ins dafür perfekte Lokal Kaffee trinken. Während des Blick-"Studiums" sprang mir dieses Inserat ins Auge:

Im Text darunter: Micheline Calmy-Rey mit Kopftuch unter dem Bild des Islamistenführers Ayatola Khomeini.
Oder so ähnlich.
Und als erstes muss ich als Wahlstratege gestehen. Gratulation. Genial. Wiederum von den SVP Ideen- und Impulsgebern. Perfekt reduziert. Verständlich. Den politischen Feind gedemütigt. Den Kontext unkenntlich gemacht.
Als Mensch muss ich sagen: Das ist doch kein Stil. Viel zu einfach ausgedrückt. Zudem ist der Wahlkampf vorbei. Die SVP hat gewonnen. Was soll das jetzt noch?

Doch scheinbar nimmt sich die SVP als Oppositionspartei auch so wahr, dass sie den amerikanisierten Stil des letzten Wahlkampfs mit personifizierten Werbemassnahmen nun ständig weiter führen will. Stilfragen hin oder her. Das bringt Erfolg. Zumal die SVP einfach scheinbar unbegrenzte Geldmittel hat. Für den nächsten Abstimmungskampf glotzen alle Parteien auf ihre leeren Kässeli, währenddessen die SVP bereits vorgestern ankündete CHF 600'000 in die Abstimmungen zu investieren. Ufff.... Ich seh noch keinen "Turn around" des SVP-Aufstiegs. Das geht noch weiter. Da wette ich meine Socken drauf.

Kommentare:

Ray hat gesagt…

Und die Wette würde ich mit Dir nicht eingehen, Reto.

Das Inserat mag stillos sein. Noch stilloser war das Verhalten unserer Aussenministerin.

Da lobe ich mir Condi. Mini - und kein Kopftuch. Aber die ist halt schon ein anderes Kaliber.

Tinu hat gesagt…

Dein Kommentar zu diesem Thema hätte man auch bei der Kampagne gegen Blocher zum Verhalten der rühmlichen SP posten können. Warum meinen die Linken immer sie seien der Maßstab für korrektes und faires Verhalten in der Politik?

Anonym hat gesagt…

Werter Reto

Hast Du bei Betrachtung dieses Bildes je an jene Frauen in Iran gedacht, die sich für Frauenrechte einsetzen? Wie demütigend mag das Bild auf sie gewirkt haben? Und wie haben diese Bilder auf uns gewirkt: Die Aussenministerin der Schweiz, die sich einem Hitler-Verehrer anbiedert!

Du sprichst von einem Kontext dieses Besuchs. Es ging um einen wirtschaftlichen Vertrag. Die Iraner wollten jemanden vom Bund dabei haben um die Stattsgarantie zu unterzeichnen.

Was hat die Aussenministerin dabei zu suchen? Welche politische Botschaft hat sie dabei vermitteln wollen? Beim besten Willen, kann ich mir keine positive Botschaft daraus entnehmen.

Freundliche Grüsse

Zvezdan – Sven

Zvezdan Sataric

mousseman hat gesagt…

"Clown Dimitri" hat mit diesem Bild natürlich eine Steilvorlage geliefert, die jetzt berechtigterweise ausgenützt wird.

Sie hätte es aber in der Hand gehabt, sich dem Stil von Achmadinedschad anzupassen - der Mann hat es vor Micheline nicht mal für nötig befunden, eine Krawatte zu tragen. Wieso hat sie es denn nötig, dann mit einem Kopftuch herumzulaufen?

Aber nein, eine 'Frauenrechtlerin' wollte sich auf jeden Preis ihm unterordnen. Die Iran-Episode, gepaart mit der Kosovo-Episode...MCR hat ein einschlägiges Talent, in alle ausgelegten Fettnäpfchen zu treten.

Mit dem iranischen Regime muss man ein bisschen anders umspringen, und sei's nur, in dem man durch Nichttragen eines Kopftuchs die Missbilligung des staatlich geförderten Umganges mit der Frau zur Schau stellt.

Aber MCR...und 'Rückgrat', oder eher 'Cojones'...das ist ein trauriges Kapitel.

Anonym hat gesagt…

c est qui fait le monde, c est la femme. (anatole france)

kluger mann, der anatole.

für die meisten männer wird das offensichtlich zunehmend zum problem. aus furcht regressiern sie in mittelaterliche muster:

heilige, hure oder hexe!

das wird sie zwar nicht retten, aber vielleicht hilfts zum überleben.

:-))))

Anonym hat gesagt…

Es gab noch Zeiten da wurden Hexen verbrannt..... Das waren noch Zeiten ;-))

Anonym hat gesagt…

Eine schönere Steilvorlage als dieses unrühmlich symbolbehaftete Bild kann man der SVP schon bald nicht mehr liefern.

Wie - um Gottes Willen - kann man als (emanzipierte) SP-Frau im Iran ein Kopftuch tragen? Beim Thema "Islam und Frauenrechte" schaut die Linke lieber weg...

Anonym hat gesagt…

Wie - um Gottes Willen - kann man als (emanzipierte) SP-Frau im Iran ein Kopftuch tragen?

Das Kopftuch hat mit Emanzipation nichts zu tun. Es ist eine Auslegung des Korans, dass Frauen Kopftücher zu tragen haben. Nur so am Rande...

Und es ist nur korrekt und selbstverständlich von MCR, wenn sie sich in so einem Land den Gegebenheiten anpasst. Wenn sie denn schon dahin reist, warum auch immer.
Die gleichen Leute, die ihr das jetzt vorwerfen, verlangen ja auch Angepasstheit von Ausländern in unserem Lande.

Aber: Auch wenn ich nicht auf der Linie der SVP fahre, das Inserat ist perfekt! :)

Reto M. hat gesagt…

@ Ray:
Amerikanische Aussenpolitik würde ich trotzdem nicht loben. Da ist die Schweizerische trotz allem noch viel besser.

@tinu:
Ja. Die SP hatte einen schlechten Wahlkampf gegen die SVP. Sie wurde mit dem Ergebnis bei den Wahlen auch herb abgestraft. Wir sind nicht der Massstab für korrekte und faire Politik. Es sind die Rechten, welche uns stets den Stempel der Linken und Netten aufdrücken wollen. Den wollen wir aber gar nicht.

@ Zvezdan-Sven:
Ich stimme mit dir überein, dass sich MCR von der Propagandamaschinerie eines diktatorischen und antisemitischen Staates sträflich hat instrumentalisieren lassen. Das ist die wahre Katastrophe an der Geschichte. Kopftuch hin oder her. Man hätte auch den Energieminister entsenden können! Dann wäre nur der Staatsvertrag zelebriert worden. Eventuell auch dies etwas zuviel?

@ Mousseman:
Ich glaube, die Frau hat Cojones. Sie steht auf alle Fälle zu dem, was sie tut, auch wenn wir dies kritisch hinterfragen dürfen. Ein Kopftuch bedeutet ja auch nicht, dass man sich unterordnet. In einer katholischen Kirche in Italien werden Kopfbedeckungen auch ausgezogen und Schultern bedeckt. Das ist eine Form des Anstands. Man hätte aber eventuell auch als Zeichen des gegenseitigen Respekt von Iran erwarten können, dass MCR kein Kopftuch trägt. Somit....

@ anonym 1:
Männer, die ein mittelalterliches Denken haben, glauben auch, dass die Frau an den Herd gehöre. Erstaunlicherweise sind die in der Schweiz identisch mit denen, welche sich über ein Kopftuchinserat für die SVP werben lassen.

@ anonym 2:
Die Schweiz lebte diesbezüglich lange noch im "Mittelalter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_G%C3%B6ldin

@ anonym 3:
Nun. Ich denke, wir sind es ja immer, welche betonen, dass man sich, wenn man in ein fremdes Land geht (reist), den Gepflogenheiten des jeweiligen Gastgeberlandes anzupassen hat. Einige erwarten von einigen Ausländern eine komplette Integration... es sind diese, welche MCR nun auch auf's schärfste verurteilen. Ich denke, sie tat es aus Respekt. Ich prangere die Instrumentalisierung an. Wie konnte man bloss "unbesehens" in diese Propaganda-Maschine treten?

@ anonym 4:
Hui... unsere Kommentare ähneln sich sehr. Zu guter Letzt:
Ich finde den Werbeauftritt für die SVP (und dies muss ich unumwunden als SP'ler zugeben) perfekt.
Sie sprechen damit genau ihr Publikum an. Das war es, was ich meinte.

Martin hat gesagt…

Die SP-Bundesrätin schliesst im Auftrag einer privaten Firma einen Vertrag für eine nichterneuerbare CO2 ausstossende Energie ab, zieht zur Anbiederung ein Kopftuch über und lässt sich lachend mit einem Möchtegern-Hitler fotografieren. Blocher wäre da wohl gesteinigt worden, hätte er so etwas gemacht!

Reto M. hat gesagt…

@ Martin:
Wohl nicht ganz. Für Ehebruch wird man gemäss Scharia zum Beispiel gesteinigt. Anbiederung ist da nicht dabei.
Zudem: Blocher ist weg. Endgültig.
Lasst uns doch das Thema als Polit-Farce langsam vergessen. Obwohl es heute bereits wieder in der BZ abgedruckt war.

Lia hat gesagt…

Martin, in deinen Augen ist Ahmadinedschad vielleicht ein Möchtegern-Hitler. In meinen Augen ist Blocher ein Möchtegern-Hussein! Sein Traum, dass die Schweiz nur Ihm gehört ist Gleichbedeutend wie das diktatorische Verhalten von Hussein!