Sonntag, 17. Februar 2008

meine wahrscheinlich (zweit)letzte JUSO Versammlung

Ich dachte schon mit der JUSO abgeschlossen zu haben, als mich gestern Telefonate ereilten, welche mich zum heutigen Kommen an die Jahresversammlung der JUSO Schweiz ermunterten. Priska, welche sich die gesamte Versammlung auch gestern samstags zu Gemüte führte, war natürlich hellauf begeistert über ein solches - gemeinsames Vorhaben. Ich hingegen, der im Sommer das dreissigste Altersjahr erreiche und nicht zu einem alten Jungpolitiker degenerieren möchte (da gibt es genügend abschreckende Beispiele), war sehr skeptisch, liess mich aber anhand des Themas (und Liebe) dann doch hinlocken. Ihr fragt euch bestimmt, welcher Punkt diese Brisanz haben könnte, um mich noch zu reaktivieren... doch leider hat die JUSO Schweiz beschlossen es nicht speziell medial zu kommunizieren, da es sich erst einmal um eine Konsultativabstimmung handelte, die dann an einer ausserordentlichen Jahresversammlung noch bestätigt werden muss (doch bin ich speziell oder auserwählt medial?... ich überdenke das noch bis zum Schluss dieses Eintrages). Das Thema birgt auf alle Fälle einige Brisanz, denn die Strukturen, welche die JUSO Schweiz eventuell zu gehen gedenkt, für diese Partei neu wären und die Ängste in einem Teil der JUSO vor einem erfolgsversprechendem Leadership (paranoiderweise) nach wie vor gross sind. Heute brachen denn die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Fundamentalisten, welche die JUSO als militante Strassenaktivistenpartei gegen die strukturierte Gesellschaft und Politik sehen, auf jene derer Revoluzzer, die den nächsten Sitz im Nationalrat holen wollen, eine auch medial erfolgreiche JUSO mit einzelnen starken Exponenten und eine reformorientierte Partei wünschen, welche sich nicht nur strukturell, sondern auch thematisch von den 70er und 80er Jahren löst. Diese Thematik ist übrigens nicht neu. Etwa in achtjährigem Abstand wiederholt sich diese Diskussion innerhalb der Partei. Doch heute war der vorerst zwar nur konsultative Ausgang der Diskussion neu. Es wurde darin viel und lange gesprochen und die Voten der Jungen waren ebenso lang, die darin versteckten Botschaften etwa ähnlich alt, wie diejenigen arrivierter Politikerinnen und Politiker. Und doch entschloss man sich heute einen neuen Weg - zumindest ins Auge zu fassen. Dass ich das noch erleben durfte...
Ihr denkt bestimmt, es werde etwas viel Aufhebens meinerseits gemacht, bloss weil die JUSO Schweiz eventuell ein Präsidium in ihre Strukturen einführt, doch für mich ist dies ein bedeutender Schritt in eine modere junge sozialdemokratische und soziale Partei.

Kommentare:

bugsierer hat gesagt…

eigentlich hört und liest man ja von der juso ganz selten was. die haben kein präsidium?

Reto M. hat gesagt…

@bugsierer:
Das man nichts von ihnen hört und liest ist eben DAS Problem. Zudem haben wir nun niemanden im Nationalrat, der die JUSO vertreten könnte. Nun möchte die JUSO jemanden als Präsidium stellen, der/die das Gesicht der nächsten Zeit prägt. Aber da haben einige eben die Angst, es könnte sich dann um einen Fahrstuhl handeln. Aber wäre das so schlimm?

Zudem hat die JUSO manchmal wirklich ein Problem. Unsere bisherigen JUSO Nationalrätinnen (sämtliche aus dem Kanton Bern) haben sie nämlich meist verschmäht, anstatt mit ihnen zu arbeiten. Dümmlich...

Ich spüre - ich entwachse dem JUSO-Denken. Zu deiner Frage. Das Präsidium der JUSO wurde vor 12 Jahren abgschafft.

priska hat gesagt…

Und, lieber Reto, weisst du von wem das Präsidium abgeschafft wurde (bzw wer den Antrag stellte)? Von unserem gemeinsamen Bekannten (sollte ich jetzt Genossen sagen?;-)) M.G., mit dem ich heute telefoniert habe und der eben (erstaunlicherweise) nicht unserer Meinung ist.
Immerhin muss auch ich zu bedenken geben, dass ein Präsidium mit der falschen Perosn an der SPitze in die Hose gehen könnte.
Und dass "ein Präsidium" gerade so gut "einen Präsidenten" genannt werden könnte, weil es mit grosser Wahrscheinlichkeit meist von einem Mann besetzt werden wird. Das wird halt dann wieder einmal das männliche Hierarchie-System fördern. aber dies liegt teilweise auch an den Frauen, die nicht kandidieren.
Könnte man nicht eine Klausel in die Statuten bringen wie: es darf nie ein Mann auf einen Mann folgen oder so ähnlich?

balmerk hat gesagt…

@ priska
finde deine idee super, dass nie ein mann auf einen mann folgen darf!!! falls die gl das in ihrem vorschlag nicht vorsieht, müssen wir unbeding so einen antrag stellen!
und wir müssen dafür sorgen, dass die kräfteverhältnisse innerhalb der juso ch sich weiterhin in unserem sinn entwickeln, so dass wir eine "falsche" person im präsidium verhindern können.

Reto M. hat gesagt…

@ Priska: Ja. Aber ein Präsidium abzusetzen, damit es nicht die falschen Personen portiert, finde ich einfach auch schwach. Aus Angst vor der Stärkung der Falschen, sollte man doch besser die starke Förderung der richtigen Personen erwirken.
Was aber, wenn man eine Art Quote einführt, wie du das vorschlägst? Vielleicht gibt es dann zu einem gewissen Zeitpunkt einen Mann, der dür die JUSO viel besser wäre, als eine Frau...
Ich finde die Idee an sich gut, die du da bringst. Was tun wir gegen die machtgeilende und geltungssüchtige Männerwelt?

@ balmerk:
Am besten wäre die Diktatur, in der wir bestimmen, wer gut ist. ;-) Es ist halt in einer Demokratie schwierig. Den Weg finde ich richtig. Wie du sagst. Wir werden nie alles bis zum Schluss erreichen können. Es könnte auch ein Obersozi aus dem Welschland eines Tages das Ruder der Partei übernehmen. Na und?