Dienstag, 26. Februar 2008

Basels integrative Vorreiterrolle

Basel macht Zwangskurse für Dreijährige, welche der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Obwohl es kurz erklärt repressiv und drastisch klingt, darf ich den Baslerinnen und Baslern gratulieren.

Der erste Schritt zur erfolgreichen Integration führt über die Befähigung sich verständlich zu machen und ausdrücken zu können. Oft wird in Fällen kriminalisierten Jugendverhaltens oder bei Mobbing durch Immigrierte festgestellt, dass die Täter in ihrer Kindheit, im Kindergarten und Unterstufenalter sehr unterdrückt und meist selbst unter Angriffen oder Ausgeschlossenheit zu leiden hatten und sich im späteren Schulverlauf an den Mitschülern rächen. Wenn dies durch eine verbesserte sprachliche Fähigkeit verhindert werden kann, so sind die ersten Schritte getan. Es ist auch richtig, dass die Kurse zwangsweise verordnet werden. Oft beobachte ich in fakultativen Dingen schulisch immer, dass diejenigen, welche es am nötigsten hätten, von zu Hause aus nicht gezwungen oder geschickt werden...
In Sachen Integration braucht es aus meiner Sicht auch eine angemessene Repression. Auch bezüglich der Strafbeimessung (wenn nötig Landesverweis) bei Taten, was aber aus meiner Sicht nicht heisst, dass diese in der Schweiz auf eine andere Person, als die des Täters übertragen werden könnte (sprich SVP-Sippenhaft).

Es sind erste Schritte. Die Deutsch-Vorschulkurse werden nicht sämtliche Probleme der Integration lösen. Es ist ein Puzzle-Stück in Richtung Komplettierung. Die SP Schweiz hat ein leider zu wenig beachtetes Lösungspapier zur Integration bereits im letzten Spätsommer veröffentlicht. Ich hoffe, dass die Baslerinnen und Basler für das zusätzliche (finanzielle) Engagement bald mit Erfolgen belohnt werden.

Kommentare:

dan hat gesagt…

Dazu, lieber Reto, gibt es doch einige Fragezeichen:
Hat der Staat ein Recht darauf, derart früh in die Erziehung der Kinder einer klar definierten Bevölkerungsschicht einzugreifen?
Wer legt nach welchen Kriterien fest, welches dreijährige Kind in den Deutschunterricht muss?

Darf eine politische Elite (wenn sie es denn wirklich ist) um später Sozialkosten zu sparen, die Kinder der Unterschichten ohne Einverständnis der Eltern auf ihr Bildungsideal trimmen?

Spricht man mit den Dreijährigen Hochdeutsch oder Mundart?
Was, wenn eine starke Minderheit (Muslems) darauf pocht, dass sich ihre Kinder zuerst in ihrer Muttersprache ausdrücken lernen?

Ich würde es als eine Anmassung empfinden, meine 3 jährigen Kinder dem Staat zum Vorsprechen vorführen zu müssen.

Reto M. hat gesagt…

@ Dan:

Abklärungen werden doch schon heute vorgenommen. Der logopädische Unterricht bei Sprachheilstörungen (Stottern, Sprechverweigerung, etc.) beginnt doch auch schon im Vorschulalter. Diese Abklärungen werden vom Fachpersonal nach Anweisung der Eltern oder von Ärzten vorgenommen und geschehen vollends zum Wohle des Kindes.

Wäre es nicht Pflicht der Eltern selbst zu merken, dass ihr Kind eine Sprachförderung nötig hätte? Ja. Du hast Recht. Und doch werden es nicht alle trotz des Kindswohls tun wollen, daher braucht es den "Vorführ"-Zwang - leider - wie du sagst.

Bildungsideal: Wollen wir als Gesellschaft, dass es eine verminderte Jugendkriminalität gibt? Wollen wir als Gesellschaft, dass Integration geschieht? Wollen wir als Gesellschaft, dass alle Schülerinnen und Schüler nach Abschluss der Schule eine Lehrstelle beginnen können? Ich finde, dies einfach auf ein Bildunsgideal der politischen Elite zu reduzieren "beschränkt", da die gesamte Gesellschaft vom Produkt Bildung einer nachwachsenden Generation profitiert.

Sprachkurs bedeutet nicht, dass eine Bevölkerungsschicht nicht in der Muttersprache aufwachsen kann. Sprachkurs bedeutet nicht, dass zu Hause nicht auch die eigene Kultur gepflegt werden darf. Integration bedeutet nicht Assimilation. Davon wird man zum Glück auch mit den Sprachkursen weit entfernt sein. Es geht auch nebeneinander. Spielerisch lernen sie Deutsch und "automatisch" zu Hause die Muttersprache.

Dein Kind kommt im Alter von 5 oder 6 Jahren im Kindergarten zur schulärztlichen Untersuchung. Weigerst du dich diese Untersuchung zur Gesundheitsüberprüfung durch den Staat zum Wohle deines Kindes durchführen zu lassen?

Doris hat gesagt…

Die Tatsache, dass Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen, sondern schon im Alter von 3 Jahren auf "Leistung" getrimmt werden ist schlichtweg schrecklich und eine Kapitulation der Menschlichkeit. Die Integrationsfrage auf Kleinkinder zu fokussieren ist nichts weiter als ein Symbol der politischen Ratlosigkeit unserer "Lenker und Denker". Die kindliche Unbeschwertheit und Frohnatur werden so sukzessive dem Leistungsdruck der Jugendlichen und uns Erwachsenen angepasst und verschwinden vollends. Fehlt nur noch der obligatorische Englischunterricht, da es ja ohne das heutzutage auch nicht mehr zu gehen scheint. Und diese Entwicklung wird sicherlich noch weitergehen.

Reto M. hat gesagt…

@ doris:
Hmmm... ich bin auch ein grosser Verfechter dass Kinder Kinder sein dürfen. Und bestimmt hat ein solcher Deutschunterricht kindgerecht zu sein.
Auf der anderen Seite dürfen wir nicht verleugnen, dass wir eine leistungsorientierte Gesellschaft sind. Wir können die Kinder auch nicht bis 16 Jahren im Glashaus halten und sie danach den Fängen der gnadenlosen Wirtschaft ohne leistungsfordernde Vorbereitung verfüttern.
Aber es gibt Punkte in deinem Kommentaren in denen ich dir beipflichte. Folgerung:
a) der Sprachkurs hat kindgerecht und spielerisch zu erfolgen.
b) die Balance zwischen richtig fördern durch genügendes Fordern und Überforderung ist individuell stets vorsichtig und korrekt zu bemessen.

Es ist ein Balanceakt. Wie können wir die Integration aber sonst von Kindsbeinen an ermöglichen?

kathrinb hat gesagt…

habt ihr eigentlich genau gelesen, worum es geht? 2 nachmittage spielgruppe pro woche, mit einem besonderen augenmerk auf die sprache, sonst nichts.
von drill oder zwang oder "sprachkurs" kann keine rede sein.

Reto M. hat gesagt…

@kathrin b:
Juhuuu... Unterstützung. Danke, dass du die Diskussion auf das richtige Level erdest.

priska hat gesagt…

ich helf auch noch grad mit!
Es schadet sicher keinem Kind, zwei Nachmittage in der Woche mit anderen Kindern zusammen zu kommen! Das fördert nämlich die Sozialkompetenz! Seid ihr nie in die Spielgruppe gegangen? War doch nett, oder? (auf jedenfall als man vergessen hat, dass das mami einfach gegangen ist ;-) ).
Und wenn man dann noch ein wenig "Roti Rösli im Garte" oder so ähnlich singt und die Kinder erfahren, was sie da eigentlich singen, lernen sie ganz doll Deutsch, ohne zu merken, dass sie lernen.
Ich weiss ja nicht, was manche für eine vorstellung von Pädagogen und Sprachspielgruppen haben, aber das läuft da nicht wie an der Uni, wo die Kinder Stundenlang an Tische sitzen müssen und Tests ausfüllen!
Abr lasst doch die Kinder in einem tollen Rahmen mit netten Spielkameraden und vielen Spielsachen und Liedern und nette Frauen (meistens!) ein wenig Sprache lernen!

Hans hat gesagt…

Schule - oder besser Vorschule - ist DER Integrationsmotor. Der Staat sollte noch viel mehr Finanzen in den Vorschulbereich pumpen. Hoffentlich kann man auf diese Weise ein paar Sozialfälle verhindern.

Man rechne:
Wie viel kosten integrative Angebote in der Vorschule?
Wie viel kostet ein Sozialfall von 16 Jahren bis 65 Jahren?

dan hat gesagt…

Die Oekonomisierung der Kinder ist bedenklich!

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Integration der Kinder kein Problem ist, die lernen nämlich sehr schnell eine Fremdsprache.
Ich lebte mit meinen Kindern 3 Jahre in einem anderen Sprachgebiet. Die Kids haben innert Kürze die Sprache genug beherrscht um in der Schule mitzuhalten.

Glaubt man wirklich allen Ernstes, dass diese Sprachschulung die Migrationsprobleme lösen.
Das, mit Verlaub, finde ich krank!

Offenbar hat keiner von denen Initiatoren selber Kinder!

Reto M. hat gesagt…

@ Priska und Hans:
Ich teile zu 100% eure Meinung.

@ Dan:
Ich glaube daran, dass es eine Verbesserung bringt, denn Kinder, welche im Vorschulalter oder gar erst in der Schule (denn der Kindergarten ist leider freiwillig) mit der deutschen Sprache konfrontiert werden, sind zuwenig integriert und können nicht somit optimal gefördert werden.

Doris hat gesagt…

@dan
Bravo, Deine Ausführungen Unterstütze ich voll und ganz.

@priska und kathrinb
Nehmt es mir nicht übel, aber man spürt gut das Ihr selber keine Kinder zu haben scheint. Und somit sieht manches auch recht einfach aus, wenn man selber nicht betroffen ist.
Es ist schon früh genug wenn die Kinder bereits mit 5 Jahren eingeschult werden.

Reto M. hat gesagt…

@ doris:

Ich gebe dir Recht, dass es für mich (persönlich) schwierig ist, die Fähigkeiten eines Fünfjährigen abzuschätzen, da ich mich jobmässig in der Realstufe mit Jugendlichen befinde. Ich habe mal für eine Projektwoche mit 5 - 14 Jährigen gearbeitet. Das klappte recht gut. Man sagte mir aber von Seiten der Kindergärtnerinnen, dass einige recht erschöpft gewesen seien in der Woche darauf. Ob's am Programm gelegen haben mag, dass sehr viel Künsterlisches mit sich brachte oder einfach an den anderen Strukturen und Ritualen die man (nicht) oder eben speziell pflegte, weiss ich aber nicht.

Ich vermute aber, dass hinter einem krippenmässig aufgebauten, spielerischen Kurs nicht das Übel für das Kind vermutet werden sollte, so oder so nicht. Sonst wären alle Kinder in Kindergrippen übel dran und das sind sie mitnichten.

kathrinb hat gesagt…

liebe doris

ja, es stimmt, ich habe noch keine eigenen kinder. aber es geht doch hier nicht um "einschulen" es geht um 2 nachmittage spielgruppe pro woche.
und es geht hier (leider) auch nicht um kinder, die zuhause von der mutter oder dem vater gut betreut werden, sondern oft um kindern von eltern, die keine zeit für sie haben, für kinder, die sonst oft nur vor dem fernseher sitzen.