Dienstag, 8. Januar 2008

heute im Tägu

Nun... drittletzter Umgang im Medienhype für das Amt.

Abgesehen davon, dass zwei falsche Daten drin sind und mir die Aussage über eine mögliche Ausgliederung des Stadttheaters nicht wirklich in den Kram passt, da ich a) inhaltlich viel zu wenig über das Thema weiss, was ich nun mit Mails an die betroffenen Stellen zu korrigieren versuche und b) dies terminlich extrem vom Kalender und den Absichten des Gemeinderates abhängt und man da als Stadtrat keinen Einfluss hat, ist der Text aus meiner Sicht doch sehr gut geworden.

Aber wer gibt schon gerne zu, dass der Einfluss auf die stadträtliche Traktandenliste äusserst gering - ja eigentlich überhaupt nicht vorhanden ist? Ich.

Hier der Text aus dem Langenthaler Tagblatt.

Ein weiterer Schritt für den «Jungpolitiker»

Reto Müller

Der SP-Politiker ist Stadtratspräsident 2008

Er wurde im Dezember zum jüngsten Stadtratspräsidenten aller Zeiten gewählt. Für Reto Müller (SP) sagt das Alter allein jedoch nichts über die Qualität eines Politikers aus. Die Leitung des Ratsbetriebes sieht er als weitere politische Herausforderung.

TOBIAS GRANWEHR

Der 29-jährige Reto Müller wurde an der Stadtratssitzung vom 19. Dezember als Mitglied der SP-Fraktion turnusgemäss zum Vorsitzenden des Stadtrates gewählt (wir berichteten). Er tritt die Nachfolge Armin Flükigers (SVP) an und wird zum jüngsten Langenthaler Stadtratspräsidenten aller Zeiten. Doch Müller macht sich nichts daraus, jüngster Präsident zu sein. Das Alter spielt für ihn in der Politik ohnehin keine zentrale Rolle. Viel wichtiger sei die Qualität der Arbeit eines Parlamentsmitgliedes, sagt Müller. Er ist bei Weitem kein politisches Greenhorn mehr. Als 22-jähriger kandidierte er erstmals für den Langenthaler Gemeinderat, seit 2003 sitzt er im Stadtparlament. Im vergangenen Jahr leitete er die Wahlkampagne der Juso Kanton Bern für den Nationalrat.

Der Reallehrer stellt sein Präsidialjahr 2009 unter das Motto «die Kultur hochhalten». Ihm ist eine gute Kultur wichtig, sowohl im Stadtrat wie auch in der Stadt. Er möchte unter den Stadträten das Verständnis für Kultur fördern. Es gebe schon Ideen, was er in seinem Amtsjahr initiieren könnte. Vielleicht organisiere er einen gemeinsamen Ausflug. Ein solcher Anlass solle aber nicht zwanghaft sein, sondern lediglich den Gedankenaustausch über politische Themen hinweg fördern. Der Stadtrat müsse letztlich nicht als Team fungieren und lebe von Diskussionen und auch Konfrontationen. «Doch man soll auch danach noch gut miteinander auskommen.»

Den Ratsbetrieb nicht umkrempeln

Reto Müller erwartet für Langenthal wegen der Wahlen ein politisch spannendes Jahr. Es werde wahrscheinlich seitens einiger Stadträtinnen und Stadträte Profilierungsversuche und dadurch mehr Vorstösse geben. «Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein», sagt Müller. Er ist sich bewusst, dass sein Einfluss im Stadtrat in diesem Jahr beschränkt ist, da er sich nicht mehr inhaltlich äussern kann. Doch er habe das Amt ja gewollt, es habe ihn gereizt. «Es ist eine Herausforderung, den Ratsbetrieb zu leiten.» Dass nun deutlich mehr Vorbereitungszeit für die Sitzungen notwendig wird, stört Müller nicht. «Wie alles hat auch das Amt als Stadtratspräsident Vor- und Nachteile.»

Müller wird den Ratsbetrieb nicht umkrempeln. Das sei gar nicht möglich, «schliesslich ist der Betrieb reglementiert. Da gibt es keine grossen Möglichkeiten für Veränderungen.» Aus seiner Sicht ist das auch nicht nötig. «Armin Flükiger hat im Rat eine gute Atmosphäre aufgebaut. Man kann an den Sitzungen diskutieren und kommt auch zu Resultaten», findet Müller lobende Worte für seinen Vorgänger von der politischen Gegnerschaft. «Ich werde meinerseits für ein konstruktives Sitzungsklima sorgen. Hierbei und auch bei Repräsentationsfunktionen darf man die sozialdemokratische Herkunft durchaus spüren.»

Müller möchte 2009 wenn immer möglich wichtige Projekte wie die Ausgliederung des Stadttheaters aus der Stadtverwaltung zum Abschluss bringen. Zudem hofft er auf interessante Ideen aus den Reihen der Stadträte. «Ich wünsche mir Ideen, die die Stadt weiterbringen und Stadträte, die Visionen entwickeln.» Müller ist der Meinung, dass sich in Langenthal die Ausgaben und Einnahmen die Waage halten müssen. Natürlich gebe es aufgrund der onyx-Gelder Potenzial für Projekte. Aber es entstünden eben auch viele Wünsche. Wichtig sei, dass man nachhaltig denke und zukunftsorientiert plane.

«Es fehlen die Rentner im Stadtrat»

Im Stadtrat gehört Müller immer noch zur jungen Gilde. «Als ich 2003 in den Stadtrat nachrückte, gab es noch weniger junge Parlamentarier.» In den Wahlen 2004 sind einige Junge gewählt worden. Nun sei die Jugend auf mehrere Schultern verteilt. Der Stadtrat müsse das Gesicht des Volkes abbilden, ist Müller überzeugt. «So gesehen fehlen im Moment die Rentner im Parlament.»

Auf den Schulleiter Flükiger folgt im Präsidium der Lehrer Müller. Auch dieser beruflichen Ähnlichkeit misst er nicht allzu grosse Bedeutung bei. Jeder bringe seinen Hintergrund in den Rat. Und durch die verschiedenen Berufe gebe es auch verschiedene Einflüsse. Dass viele aktive oder ehemalige Lehrer im Stadtrat sitzen, ist Müller aber auch schon aufgefallen. Einen Grund sieht Müller nicht. «Ich bin Lehrer, weil ich gerne mit Jugendlichen zusammenarbeite. Und ich bin Politiker, weil ich probiere, etwas mitzugestalten.»

Später einmal in der Exekutive?

Müller setzt sich im Hinblick auf die Wahlen auch als Stadtratspräsident für die SP ein. Er hofft, dass bei den Gemeindewahlen ein Absturz wie im vergangenen Herbst auf der nationalen Bühne verhindert werden kann. «Ich persönlich hoffe auf einen zusätzlichen SP-Sitz im Gemeinderat.» Ihm ist bewusst, dass dies ein ambitioniertes Ziel ist. Daneben möchte er mit seiner Partei stärkste Kraft im Stadtrat bleiben.

Und wie sieht Müllers politische Zukunft aus? «Ich mache keine politische Karriereplanung. Ich habe immer Stück für Stück genommen und jedes Jahr ist etwas Neues dazugekommen», erklärt er. Er kann sich aber durchaus vorstellen, einmal in einer Exekutive mitzuwirken, «weil man dort Projekte direkt anreissen kann». Seine Kandidatur für den Gemeinderat will er damit aber nicht bestätigt sehen. Müller wird sicher für den Stadtrat kandidieren – und möglicherweise auch für einen Sitz im Gemeinderat.


Flükiger zufrieden mit Ratsbetrieb

Das Amt des Stadtratspräsidenten sei für ihn eine Ehre gewesen, das aber auch mit Verpflichtungen verbunden gewesen sei, sagt Armin Flükiger (SVP), Vorgänger von Reto Müller als höchster Langenthaler. In einem lehrreichen Jahr habe er viele Kontakte knüpfen können. Die Zielsetzung für das Amtsjahr ergibt sich laut Flükiger durch die anstehenden Geschäfte. «Ich habe da nicht viel steuern können.» In der Präsidialzeit des SVP-Stadtrates wurden beispielsweise die Geschäftsordnung des Parlamentes erneuert oder die neue Stadtverfassung genehmigt, die später auch vom Volk abgesegnet wurde.

Die Sitzungsführung sei spannend gewesen, berichtet Flükiger. «Ich habe das Gefühl, dass ich den Rat gut und effizient geführt habe.» Allerdings hätten die Stadträtinnen und Stadträte auch gut mitgearbeitet, so die positive Einschätzung des Schulleiters des Schulzentrums Kreuzfeld 1 bis 3. Dass seine Arbeit im Rat auch gut angekommen sei, hätten ihm die vielen positiven Rückmeldungen der Parlamentsmitglieder gezeigt. Flükiger war als Stadtratspräsident auch ausserhalb der Sitzungen aktiv. So initiierte er erstmals ein Essen, zu dem alle ehemaligen Ratspräsidenten eingeladen wurden. Weiter organisierte Flükiger für alle Stadträte den Besuch je eines Spiels des SC Langenthal und des VBC Langenthal.

Viel kann und will er seinem Nachfolger Reto Müller nicht auf den Weg geben. «Er soll als Stadtratspräsident einfach so sein, wie er ist», sagt Flükiger. Das habe er auch getan. «Müller wird vielleicht etwas wilder und mutiger auftreten als ich», mutmasst er mit einem Schmunzeln. Flükiger freut sich darauf, als Stadtrat wieder aktiv Geschäfte vertreten und Vorstösse einreichen zu können. (TG)

Kommentare:

priska hat gesagt…

Guter Text. Bin stolz auf dich! Leider ist das Foto in der Print-Ausgabe nicht gerade der Hammer. Aber da kannst du nichts dafür. Schade, wenn ein bezahltes Tagblatt nicht fähig ist, einen Fotografen zu schicken.

Reto M. hat gesagt…

@ priska:
Das liegt nicht am Fotografen. Ich seh einfach schlecht aus. Bloss ist dir dies in Natura noch nie aufgefallen. ;-)
Heute aktuell. Morgen vergessen. So ist im Printjournalismus. Don't worry.