Mittwoch, 19. Dezember 2007

wie weiter... NOZ

Heute. Briefkasten auf. Gratiszeitung raus. Auch dort Frontseite. Sowie ein ausführlicher Bericht auf Seite 3. „Erstaunlich.“, dachte ich mir. Danke NOZ.
Auf der anderen Seite.
Da engagiert man sich seit 7 Jahren in der Politik. Kämpft für Projekte. Verliert oder gewinnt. Organisiert zusammen mit einem sechzehnköpfigen Team eine Einrad-Weltmeisterschaft mit über 1000 Menschen aus 26 Nationen, welche als Touristen nach Langenthal im Jahre 2006 kamen. Arbeitet auch für andere Events im dörflichen Städtchen, doch...

noch nie schien die Medienpräsenz an der Person Reto Müller grösser zu sein, als jetzt.

Jetzt, wo zwar der Posten glänzt, doch dahinter nicht viel steckt. Denn nüchtern betrachtet ist man als Stadtratspräsident einfach der Sitzungsleiter der Legislative und wird noch an zwei bis drei Apéro und Anlässe zusätzlich eingeladen. Inhaltlich politisch ist man zur Untätigkeit verdammt oder wie ein Kollege im Stadtrat sagte: „Politisch kastriert.“ Keine Äusserungen zur Sache mehr vor dem Stadtrat, keine Vorstösse mehr während eines Jahres....

Aber die Menschen, welchen ich begegnete, waren stolz. Hatten Freude mit mir, dass ich nun der Jüngste aller Zeiten bin, welcher dieses Amt ab 1.1.08 bekleiden wird. Meine Relativierungsversuche verhallten im Ungehörten und wurden gar ins Unermessliche gesteigert:
„Du wirst mal Stadtpräsident.“
„Im Herbst bist du Gemeinderat.“
„Du bist bald Grossrat.“
Und ich schluckte leer und relativierte ohne zu verneinen, wie ein typischer Politiker, was mir Unbehagen bereitete und mich ins Grübeln versetzte: „Reto... was willst du eigentlich?“

Ich hatte mal gesagt: „Ich will irgendwann mal Gemeinderat werden und Langenthal mitprägen und irgendwann werde ich versuchen als Höhepunkt das Amt eines Grossrats zu bekleiden.“ Dies so zusammenfassend hier zu sagen, klingt zwar unglaublich karrieristisch, denn ich habe keine konkrete Planung über das wann und wie. Normalerweise startet man mit 45 Jahren in die Politik. Ich biss mich bereits mit 22 Jahren durch. Musste mich beweisen, um Anerkennung und Glaubwürdigkeit ringen. Und das nur, weil ich jünger war...

Wie mit diesen Plänen über Politziele spielte ich auch mit Gedanken aufzuhören. Die Politik der Kultur zu opfern und mich dort zu verwirklichen. Mehr Zeit für das „wirkliche“ Leben zu haben.

Und doch lässt sie mich nicht los. Die Politik. Sie ist ein Teil meines Lebens.
Aber nie das ganze Leben.

Kommentare:

der kollege aus dem stadtrat hat gesagt…

mein spruch soll nicht darüber hinweg täuschen, dass ich mich aufrichtig über deine wahl freue...

Reto M. hat gesagt…

hallo unbekannter bekannter leserkollege aus dem stadtrat.
weiss ich, spürte ich.

abgesehen davon. du hast völlig recht. ich weiss auch noch nicht, wie ich die kröten runterschlucken werde, die entstehen, wenn ich einige (und es wird weil wahljahr wohl etliche geben) welche quark verzapfen wollen, beim reden zuhöre.

hmmm.... apropos quark. ergibt obiger satz überhaupt sinn?