Sonntag, 9. Dezember 2007

Tempo 30... gegen den Wind

Im Gegensatz zur Umfrage rechts in diesem Blog wurde uns heute ein reziprokes Ergebnis der echten Abstimmung präsentiert. 38% Stimmen für Tempo 30; 62% Stimmen gegen die Initiative. Ein vernichtendes Urteil. Natürlich kommt man als Befürworter leicht ins Fahrwasser:
"Hmmm... scheinbar haben's die Menschen nicht begriffen."
Doch dies wäre wohl ein zu einfacher Schluss...

Vielleicht hat man in Langenthal einfach ein sehr gutes Menschenbild und erachtet die Limitierung des Tempos in Wohnquartieren nicht für nötig, da man ja bereits gesittet fährt. Je besser nämlich das Menschenbild, desto höher gewichtet man die Eigenverantwortung und desto weniger will man generell einschränkende Gesetze - beziehungsweise desto weniger braucht es diese, da sie unnütz sind. Wobei wir hier schon bei Hobbes und Konsortien philospohieren...
was die Realität eventuell auch nicht zu hundert Prozent abbildet.

Fakt ist, fast zwei Drittel wollten's nicht - aus verschiedenen Gründen. Obwohl die Gegenseite per SVP-Präsident scheinbar nach der Abstimmung verlauten liess, dass man nicht grundsätzlich gegen Tempo30 sei, aber man es nur dort wolle, wo es Sinn mache.

Wie geht's denn jetzt weiter? Die Tempo 30 Initiative hätte eine umfassende städtische Analyse gebracht, wo Tempo 30 richtig und wichtig gewesen wäre. Wie erfährt man jetzt, wo es Sinn macht - werte Gegenseite? Nach Bauchgefühl? Nach Steuerstatistik? Nach Aufschreien der Bevölkerung? Es sind wohl zu einfache Antworten.

Die Gegenseite sagte, dass man nicht mit dem Giesskannenprinzip einschenken wolle, doch nun scheint es wieder auf ein punktuelles prostatisches Tröpfchensystem hinauszulaufen, bei dem alles Jahre dauert... wie fast überall in der Politik.

Meiner Meinung nach ist das ziemlich gegen den Wind gepisst und lässt uns alle klitschnass dastehen, falls mal was passiert.

(Bilder 1 - 4: Reto M. (Narziss) schreibt Blog. Bild 5: Presseansturm (BZ, MZ, Radio32) im Chrämi beim Pro-Tempo30Komitee. Bild 6: Pressekonferenz im Chrämi)


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Resultat ist betrüblich. Punkt.

Bin ja gespannt, ob die Gegner Wort halten...

Reto M. hat gesagt…

Wir werden sehen. Von nichts wird aber wohl auch nichts geschehen. Das bedeutet, dass wir punktuell Verkehrsplanungen verlangen müssen, damit an den richtigen Orten Tempo 30 entsteht. Die Gegnerschaft von solchen Limiten kann nun einfach immrer behaupten, dass das Volk auf seiner Seite ist....

Das macht die Situation eher schwieriger als vorher.